vornehmen und zur Goldwährung sich emporarbeiten wollten.Auch dieser 'minder kühnen Hypothese gegenüber bleibt mankalt. Es fällt uns nicht 'ein, die vorteilhafte und vernunft-gemässe Münzverfassung, die wir Deutsche uns mit gutem Vor-bedacht erobert, Preis zu geben, weil sie in ihren logischenKonsequenzen zu den an sich ungewissen und der Zeit nachjedenfalls unberechenbaren Bewegungen anderer Nationen nichtstimmen würde. Einstweilen steht nur so viel fest: Die Länderder reinen Goldwährung umfassen vorerst nur 140 Millionengegenüber 940 Millionen mehr oder weniger kultivierter Seelen,die mit Papier, Silber oder Doppelwährung leben. Umgekehrtaber wird die Jahresproduktion an Silber auf 300 Millionen, dieGoldproduktion auf 45 o Millionen Mark in Bausch und Bogenveranschlagt. Es sieht demnach gewiss nicht so aus, als solltendie glücklichen Inhaber der ausschliesslichen Goldwährung inVerlegenheit geraten wegen Mangels an Zufuhr.
Und angenommen selbst, der Gegner hätte Recht! Seinprophetischer Satz enthält eine Wendung, an der man sichschon im Vorübergehen stossen muss, und die ihm ohne Zweifelselbst zu denken gab:
„Das Gold wird bei fortwährend zunehmender Seltenheitnicht mehr im stände sein, seine bisherige wirtschaftliche Stellungeinzunehmen," das heisst mit anderen Worten: es wird zu teuergeworden sein, um als Münzmetall dienen zu können. Zu wenigund zu teuer ist hier doch offenbar gleichbedeutend; wir werdensofort sehen, dass Süss selbst die Sache so ansieht. Also kurzzu sagen: es droht dem Gold die Gefahr, die Treppe hinaufzu fallen! Und die Besitzer des Goldes werden dann dies garnicht bittere Geschick zu teilen haben. Ehe aber der Zeit-punkt gekommen wäre, wo das Gold so selten geworden imVerhältnis zum Bedarf, dass es aufhörte, Münzmetall zu sein,wo es vielmehr nur noch dem Luxus dienen könnte, würdenotwendigerweise ein Zustand [eintreten, in dem es, am Silbergemessen, einen viel höheren Preis als früher erzielen müsste.Die Nationen, die Gold besässen, würden damit ein sehr gutesGeschäft machen. Sollte dieser Gedanke etwas Abschreckendesfür sie haben? Wahrscheinlich giebt es in den mit der Gold-währung gesegneten Ländern Finanzminister, die bedauern,dass die Salomonische Lebensfrist ihnen keine Wahrscheinlich-