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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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keit lässt, bei Eintritt dieses schönen Augenblicks noch aufihrem Posten zu sein.

Eines ist wahr und Süss bemerkt es mit Recht: es ist fürein Volk nicht reiner Profit, eine bessere Währung zu habenals seine Mitvölker, oder um den Gedanken richtiger auszu-drücken: die schlechte Währung der Mitvölker schafft auchdem Verlegenheiten, welches die bessere besitzt. Das ist ein-mal die Solidarität der internationalen Wirtschaft wie der Weltüberhaupt; nur ist die Logik falsch, welche uns bestimmenmöchte, diesem Schicksal zu entgehen, dadurch, dass wir zuder minder günstigen Lage der anderen hinabsteigen. Mitgutem Grunde macht unser Verfasser aufmerksam, dass, wieeine schlechte Währung als Schutzzoll wirkt, eine gute demeigenen Ausfuhrhandel entgegenwirken muss. Das lässt sichso wenig bestreiten, dass man entweder den ersten Satz nichtals richtig anerkennen darf, oder auch den zweiten gelten lassenmuss; denn beide Sätze sagen dasselbe, nur sagt es jeder mitanderen Worten, oder vielmehr jeder enthüllt die nämlicheWahrheit; der eine sieht die Sache vom Lande der schlechteren,der andere vom Lande der besseren Währung aus. Schlechtund gut sind hier relative Begriffe, sie setzen zwei in Handels-verbindung stehende Nationen voraus, von denen die eine mitGeld von höherem inneren Werte bezahlt als die andere. Sowiealso feststeht und noch niemand hat das bezweifelt dassdie Industrie des mit unedlerem Gelde zahlenden Landes da-durch eine Art Schutzzoll geniesst, so muss die diesseits derGrenze verringerte Einfuhr jenseits der Grenze einer ver-minderten Ausfuhr entsprechen. Es kann niemand seinenImport hemmen, ohne den Export eines anderen zu erschweren.Wir stehen also hier vor einem richtigen Vordersatz. Nur mitder Nutzanwendung können wir nicht einverstanden sein. Dieösterreichische und die russische Papierwirtschaft üben ohneZweifel den eben beschriebenen störenden Einfluss auf unserendeutschen Ausfuhrhandel nach diesen Ländern aus. Aber eswird niemand sich beikommen lassen, uns den Rat zu erteilen,dass wir deshalb auch in die Papierwirtschaft eintreten sollen.Und ebensowenig werden wir uns bestimmen lassen, das höher-wertige Gold mit dem niederwertigen Silber zu vertauschen,um jener schädlichen Rückwirkung auf unseren auswärtigen