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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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Handel zu entgehen. Die Welt ist einmal so eingerichtet, dasswir auch an den Fehlern der anderen mit zu leiden haben.Aber es wäre eine schlechte Heilmethode, darum zu den eigenennoch die fremden Fehler zu fügen.

Zum Uberfluss aber haben wir bereits die Erfahrung ge-macht, dass nicht einmal schlechte Währung gegen jenen Nach-teil sicher stellt, vor dem hier gewarnt wird. Wenn eineNation von Wertverringerung ihres Münzmetalls überfallen wird,so muss sie, um nicht das Opfer der Metallspekulation zuwerden, die Prägung einstellen; und wenn diese Massregel miteinem ihr günstigen Stand der internationalen Bilanz zusammen-fällt, so verteuert sie dem Auslande die Zahlungsmittel, d. h.sie erschwert sich ihre eigene Ausfuhr. Dann stellt sich dieFrage einfach so: mehr Waren ausführen und die Beschaffen-heit des ganzen eigenen Geldumlaufs verschlechtern, oderweniger Waren ausführen und seine innere Verkehrsgrundlagerein und solid erhalten? So tauchte vor einigen Jahren dieFrage in Holland auf, als dieser Staat notgedrungen die Silber-ausprägung aufgeben musste. Die Amsterdamer und Rotter-damer Grosshändler jammerten, dass der auswärts gestiegeneWechselkurs auf Holland ihre Geschäfte vermindere. Dieholländische Gesetzgebung liess sich aber wohlweislich dadurchnicht irre machen. Die verschlechterte Währung hätte demganzen Lande und schliesslich auch den Grosshändlern dengrösseren Schaden gebracht. Sie hätten momentan mehr Warenverschifft, aber sie hätten dafür ein Geld erhalten, das binnenkurzem durch Wertverringerung sie um mehr als den Nutzenam Exportgeschäft betrogen hätte.

Merkwürdigerweise ist unter der nicht geringen Zahl derer,welche gegen die reine Goldwährung neuerdings zu Felde ge-zogen sind, noch keiner mit dem Vorschlag herausgekommen,das Gold als Münzmetall abzuschaffen und alle Länder aus-schliesslich auf Silberkost zu setzen. Und das wäre doch dereinzige haltbare Standpunkt! Auch unser Autor mag das nichtauf sich nehmen, obwohl er uns doch eigentlich voraussagt,dass die Zeit kommen wird, in welcher der letzte Sovereignund die letzte Krone in den Schmelztiegel der Goldschmiedewandern werden. Fürs erste empfiehlt auch er jenen Mensch-heitsbund der Doppelwährung, welcher wieder mehr von sich

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