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reden gemacht hat, seitdem zahllose Broschüren auf demschönsten Velin in allen lebenden Sprachen zu Paris gedruckt,den hübschen neuen Namen „Bimetallismus" für die alte Sacheverbreiten und in der bilderreichen Sprache Viktor Hugo's das„Quinze et demi universell den civilisationsbedürftigen Nationenanbieten. Es verdient nämlich bemerkt zu werden, dass, wievon den Widersachern der reinen Goldwährung keiner es aufsich nehmen mag, ihr gegenüber das reine Silbersystem vorzu-schlagen, so auch wieder keiner sich unterfängt, den lieblichklingenden Bimetallismus auf seine eigenen Füsse zu stellen.Nein! sie alle verweisen uns auf völkerrechtliche Verträge,welche das stabile Verhältnis vom Gold zum Silber „auf ewigeZeiten", wie es in den Friedensinstrumenten heisst, verbürgensollen. Gerade dieser Gegensatz ist es, welcher immer undimmer wieder übersehen wird, auch auffallender Weise denScharfsinn unseres Verfassers gar nicht zum Verweilen einladet.Und doch, wer nur ein wenig die Augen aufthun will, mussdarauf kommen, an welch innerem Widerspruch diese Ideekrankt. Oder ist es nicht ein solcher, dass der Dinge letzterGrund im menschlichen Verkehr, — denn so darf das Geld ge-nannt werden — seinen Stützpunkt nicht in sich selbst findensoll? das nicht das eigene Gewicht, nicht die eigene Kraft —•nein! das gebrechlichste aller Menschenwerke, der Ver-trag, und zwar der völkerrechtliche, sein Fundament seinsollte? d. h. ein Rechtsverhältnis, für das es keinen Richtergiebt, geschweige denn einen Gerichtsvollzieher; ein Uberein-kommen, das gerade so lange gehalten wird, als es jedem ein-zelnen Teile beliebt, ja sogar, das zu halten meistens nacheiniger Zeit gar nicht mehr in des einzelnen Beteiligten eigenerGewalt liegt! Darin darf man aber den Anhängern der Doppel-währung wohl beipflichten, dass ohne solchen Vertrag ein Heilfür diese gar nicht zu finden ist. Sie steht und fällt mit ihm.Indem alle ihre Anwälte alsbald den Weltvertrag herbeirufen,wenn die Haltbarkeit ihres Vorschlags bestritten wird, bekennensie geradezu, dass an ein stetiges, verlässliches, berechenbaresWechsel Verhältnis zwischen beiden Metallen fortan nicht mehrzu denken ist; dass die Fiktion zu Hilfe gerufen werden muss,um es aufrecht zu erhalten. Aber, ihr lieben Leute, wenn manmit Verträgen und Fiktionen so schöne Dinge fertig bringen