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irgendwie in die Gefahr des Unterganges zu geraten. MeineHerren, diese Summe von 160 Millionen Mark geben wir sogarspielend für andere Dinge aus; wir haben über 50 Millionen fürHamburg und Bremen votiert und diese Städte veranlasst, nochIOO Millionen für den Zollanschluss herzugeben. Was will einsolcher Betrag heissen in einer sonst ganz gesunden Cirkulation,wie wir sie haben? Ich wünsche sehr, dass die Silber-verkäufe wieder aufgenommen würden — natürlich cum granosalis, wie ein verständiger Kaufmann es machen würde, der eineWare abzusetzen hat. Ich bedaure, dass sie unterbrochen wurden;•aber jetzt zu sagen, dass wir ins Wasser springen müssten ausAngst, zu ertrinken, dass wir zur Doppelwährung, zur Wieder-aufnahme der Silberwährung übergehen müssten bloss um dieser400 Millionen willen, die wir noch haben, — das ist eine Ab-erration, zu der ich nie kommen werde.
Übrigens ist die Gefahr, die aus dem Silberüberfluss inder Welt existiert, gar nicht so gross; ebenso steht es mit derangeblichen Gefahr des mangelnden Goldes. Sehr merkwürdiger-weise hat uns Herr von KardorfF selbst in seiner heutigen Rededie Argumente geliefert, dass die Dinge gar nicht so schrecklichsind, wie er sie darstellt. Er hat angeführt, wie grosse Gold-vorräte Frankreich, Amerika, England besitzen; er hat uns auchdarauf hingewiesen, was an Silber noch verbraucht wird. Ichweiss also nicht, wo ist denn die grosse Kalamität, wenn sichdas so verhält? Ich kann dann nur hinzufügen: bis jetzt findetsogar das Silber in den Münzprägungen eine solche Verwendung,dass ich gar nicht erschrecken werde, wenn die IOO MillionenSilber wieder frei werden durch Einstellung der Blandbill. Dennnicht bloss Amerika prägt aus, Mexiko prägt etwa für IOOMillionen Mark Silber aus, Indien prägt aus; und wenn wir dieTabelle nachsehen, die der amerikanische Münzmeister, der darindie sorgfältigste Zusammenstellung jedes Jahr macht, veröffent-licht, so finden wir, dass im letzten Jahre überhaupt 400 Milli-onen Silber ausgeprägt sind, also nur 100 Millionen weniger alsdie ganze Produktion, wozu noch der industrielle Verbrauchkommt. Es ist also auch dieser Schreck durchaus nicht so gross,wie er hingestellt wird.
Aber, meine Herren, wie ich schon sagte, das Interesse andieser Frage ist bei den anderen Ländern ganz unendlich viel