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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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grösser. Frankreich hat gegenüber den 400 Millionen, die wir-noch höchstens entbehren könnten und ich bin darin mitHerrn Professor Nasse, den Herr von Kardorff citiert hat, ganz,einverstanden, dass wir nicht einmal die 400 Millionen abzu-geben hätten, dass wir uns mit 300 schon begnügen könnten,also einer relativ kleinen Summe gegenüber dieser Summevon 300 Millionen hat Frankreich eine Silbercirkulation von 3bis 4 Milliarden Franken Silber. England hat in Indien einefurchtbare Silberlast, die an seinem Mark zehrt, die auf seinBudjet jährlich einen Verlust von 80 bis 90 Millionen Markausmacht, und die Besitzer von Forderungen an Indien, dieindischen Bondholders, alle Pensionäre, alle Beamten, die aus.Indien zurückgegangen sind, in England leben und einen sehrwesentlichen Bestandteil der Rentner unter der behäbigen Be-völkerung von England ausmachen, die haben einen enormenVerlust an diesem Silber. Die Amerikaner haben das Silberaufgespeichert in solchen Massen, dass sie nicht mehr wissen,wie sie es unterbringen sollen; dass sie jedes Jahr neue Ge-wölbe bauen müssen, um das Silber zu bewahren, das niemandmehr in die Hand nehmen will, das nur in Form von Papier cirkuliert. Wenn alle diese Länder sich so bemühen mit demVersuch, das Silber, wie Sie sich ausdrücken, zu rehabilitieren,dann begreife ich es. Aber dass wir die letzten sind, die esthun, dass wir höchstens einmal, wie der Herr Reichskanzlervor zwei Jahren verfügt hat, hingehen, hören, was wir thunkönnen, um diese schwierige Operation anderen zu erleichtern,teils aus Solidaritätsgefühl mit der Welt, teils aus eigenem Inter-esse, das begreife ich; aber dass nun die Herren herkommenund das deutsche Reich, das in verhältnismässig günstigsterLage ist, auffordern, die Initiative zu ergreifen, meine Herren,das ist von Ihrem so oft hervorgezogenen nationalen Standpunkt ich wage zu sagen- eine Verirrung, die ich nicht begreife.Und nun wollen Sie wirklich, meine Herren, dieses deutscheReich, das sich in der Handelspolitik auf den Boden gestellthat, möglichst wenig Handelsverträge machen zu wollen, dasden Satz ausgesprochen hat, wie der Reichskanzler es gethan:in jedem, Handelsvertrag handelt es sich nur darum, wer denanderen betrügt, dieses Reich sollte sich nun hier einlassen aufinternationale Verträge! für sein eigenstes Blutsystem, für den