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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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Herren denken, auf wie lange ein solcher Münzvertrag abge-schlossen werden soll, und wie sie sich das Verhältnis vor-stellen, wenn solch ein Münzvertrag auf 10, 15 Jahre abge-schlossen ist, und in den letzten 4, 5 Jahren Zweifel entstehen,ob die Sache fortbestehen wird, und wie sich die einzelnenWährungen dabei befinden würden. Ich würde auch fragen:soll freie Prägung gegeben werden oder nicht? Herr von Kar-dorff hat an diese Frage nur so angetippt; aber wenn ich anseine korrekten Bundesgenossen appelliere und an ihn selbst inseinem tieferen Gewissen, so wird er doch nicht zweifeln, mirdarüber Rede zu stehen, dass es keine Währung giebt ohnefreie Prägung, dass der ganze Kern der Währung die freiePrägung d. h. die Selbstgeltung des Metalles ist, und dass wirübereinkommen müssten, sofort bei einer solchen Konventionfreie Prägung zu geben.

Wenn Sie die Regierung auffordern wollen, die Initiativezu ergreifen zu solchen Verträgen, so haben Sie die Güte,machen Sie definitiv Vorschläge. Wenigstens ist das mein Ge-danke, und ich werde mich darin nicht sehr von der Regierungentfernen. Aber bedenken Sie doch das eine: wie unendlicherschweren Sie die diplomatische Seite der Sache, indem Sieder deutschen Regierung zumuten, nunmehr die Initiative zuergreifen gegenüber einer Beschlussnahme, bei der sie frühernur die kontemplative Rolle und die des kühlen Zuschauersgespielt hatte! Ist denn das ein Mittel, um etwas zu erreichen,wenn man jetzt dem Kunden nachläuft, dem man seine Warenverkaufen will? Im Jahre 1881 hat die deutsche Regierungganz vernünftig und korrekt gesagt: ich bin nicht ohne Sym-pathie für das, was ihr jetzt versucht in anderen Staaten; ichwill auch sogar im Kreise einer gewissen Bemühung nützlichsein, aber mich drücken die Dinge am wenigsten. Siehat hinzugesetzt und das war eine Wiederholung der Er-klärung, die der Herr Reichskanzler im Jahre 1879 gegebenhat: wir werden festhalten die deutsche Goldwährung aufalle Weise, wir haben sie ergriffen, wir lassen uns nicht davonabbringen; aber wir wollen nicht unverständig sein, wir wollenanderen Nationen das Leben nicht ohne Not erschweren, wirwollen Konzessionen machen. Und nun, nachdem auch dieseHaltung zu nichts geführt hat, wollen Sie die deutsche Regierung