Reichsbank vom Tage ihrer Geburt an bereits von gewissenSeiten losgelassen wurden, bei dieser Debatte herauskommenwürden. Ich will sogar gestehen, ich habe sie mir viel fürchter-licher gedacht, als sie sich bis jetzt gezeigt haben; wenn esnicht noch kommt, so habe ich sie bedeutend überschätzt.Aber es wäre doch gut, wenn bei dieser Gelegenheit einmalmit diesen dunklen Anschuldigungen, diesen Flüchen, die aufdie Reichsbank als auf ein schändliches, landmörderisches In-stitut losgelassen werden, bei dieser Gelegenheit aufgeräumtwürde, und gezeigt würde, was an diesen Dingen ist.
Meine Herren, wie kam die Reichsbank zu stände? Daswar eing ganz andere Situation als die heutige. Als wir imJahre 1874 an diese Arbeit gingen, da war — ich kann beinahesagen — ein Menschenalter von Anstrengungen, von Vorbe-reitungen, von Gedankenarbeit, von Erfahrungen hingegangen,in denen man alle die einzelnen Fragen, die hier zur konkretenLösung kommen mussten, aufs eifrigste zu lösen bestrebt ge-wesen war. Eine ungeheure Litteratur, Äusserungen von Vereinen,Versammlungen von Spezialisten, Denkschriften von Korpo-rationen waren ein Jahrzehnt lang in Deutschland beständig an derTagesordnung, um zu einer richtigen Lösung dieser Frage zu ge-langen, von der jeder sich sagte: hier wird ein grosses StückWohl und Wehe des gesamten nationalen Erwerbslebens zurLösung gebracht. Als der Niederschlag dieser gesamten enormenAnstrengungen ist nun ein Bankgesetz zu stände gekommenunter thätiger Mitwirkung eines von Arbeitslust und Schaffens-freude beseelten Reichstags, einer Reichsregierung, die sich inallen ihren Teilen, auch in den einzelnen Regierungen, dieserAufgabe mit der grössten Hingabe widmete. Alle diese Fragen,von denen heute nur so einige Nachzügler aufs Tapet kommen,hat man aufs glücklichste mit Rücksicht auf ihre Vorgeschichtezu lösen versucht, und endlich kam man zu dem Fazit, wie ichhinzusetze, mit einer grossen Mehrheit des Reichstags, unterdem allgemeinen Gefühl, dass hier nach menschlichem Er-messen in den Hauptbedingungen die beste Lösung gefundensei. Als das fertig war, durfte man sich wohl sagen: nun istder erste wichtige Schritt geschehen, wir wollen nun sehen,wie die Sache wird. Der Reichstag hat damals unter meinereigenen Mitwirkung diese Frist von 15 Jahren gesetzt, indem