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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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Platze waren, gaben den Ausschlag für die Herstellung derschwachen Mehrheiten, mit welchen die Beschlüsse zu ständekamen. Hätte das Wahlkartell von 1887 etwa ein DutzendFreisinnige mehr zu Gunsten von Konservativen beseitigt, sowar die Regierung überstimmt. Es ist nichts so schlimm, esist für etwas gut.

Ist die grosse organische Einrichtung der Reichsbank solcherWeise auf ein weiteres Jahrzehnt hin in Sicherheit gebracht,so haben die bei diesem Anlass gepflogenen Verhandlungen auchdas Gefühl verstärkt, dass eine andere gesetzliche Grundlageunseres gesamten Wirtschaftslebens, eine noch viel unentbehr-lichere, jetzt als geborgen angesehen werden kann, wenigstensnach menschlichem Ermessen. Auch die Goldwährung schieneinmal von der Gefahr bedroht, dunkler Experimentierlust zumOpfer zu fallen, und diese Gefahr war wohl eine geraume Zeitlang eine viel ernstere, als die, welche über der Reichsbankgeschwebt hat.

Bei den Verhandlungen über die Bankvorlage hatte manallgemein erwartet, dass die Bimetallisten des Reichstags einen

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grossen Vorstoss machen würden. Sie vermieden aber sorg-fältig jede Annäherung an den Gegenstand. Zwar erklärte ihrWortführer, Herr v. Kardorff, die beiden Angelegenheiten hättengar nichts miteinander gemein. Aber wenn man erwägt, dassbeinahe gar keine Aufgabe in der Gesetzgebung zu finden ist,in welcher derselbe Abgeordnete nicht Schmerzen entdeckt,die mit Silber zu kurieren wären man denke nur an seineAusführungen in sozialen und kolonialen Debatten, so darfman doch Zweifeln, ob bloss korrektes Denken ihn bestimmthabe, zwei so nah aneinander grenzende Gebiete wie Geld undBanknoten diesmal säuberlich auseinander zu halten.

Es war doch viel eher das richtige Gefühl, dass für denBimetallismus zur Zeit in Deutschland nichts zu holen ist,welches solche schöne Diskretion nahe legte. Und wenn mannoch eines Beweises dafür bedürfte, so ergäbe er sich aus denReden, welche die bimetallistischen Abgeordneten bei der De-batte über die Bank gehalten haben. Sie alle erkannten näm-lich in erfreulicher Ubereinstimmung an, dass die Reichsbankin erster Reihe die Aufgabe habe, für die Aufrechthaltung undzureichende Fülle der Währung zu sorgen, und sie zollten der