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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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gierung die Verpflichtung übernähme, gegen jede ihr angeboteneQuantität von Silberbarren sogenannte Silbercertifikate auszu-geben und die letzteren auch auf Verlangen wieder in Silber-barren einzutauschen (oder wenn sie es vorzöge gegen Gold),in beiden Fällen nach dem wechselnden effektiven Marktpreisdes Silbers. Es ist hier, wo nur in der gedrängtesten Kürzedie neuesten Erscheinungen auf diesem Gebiet gekennzeichnetwerden sollen, natürlich nicht an eine Kritik dieses Vorschlagszu denken. Bis jetzt scheint er nicht einmal bei den Silber-freunden viel Beifall zu finden. Und obwohl der Cynismuswirtschaftlicher Interessenpolitik vielleicht nirgends so -unver-schämt auftritt wie in den Vereinigten Staaten , darf man dochglauben, dass der Vorschlag schon an der Unberechenbarkeitseiner komplizierten Wirkungen scheitern wird. Der Präsidentbehält sich vor, über den Gegenstand später mit dem Kongresssich ins Benehmen zu setzen. An seiner silberfreundlichen Ge-sinnung lässt er keinen Zweifel. Dagegen hat die Silberparteiinsofern eine Enttäuschung erlebt, als sie sich der Hoffnunghingegeben hatte, einen ihrer Anhänger zum Sprecher des Re-präsentantenhauses von Washington ernannt zu sehen. Dies istihr aber nicht gelungen. Es ist vielmehrein Mann des Ostens",welcher für die Silberbeutezüge nicht zu haben ist, gewähltworden.

Um ein Verständnis für den Plan Windoms zu haben, mussman sich vergegenwärtigen, dass die erwähnten Silbercertifikatein den Vereinigten Staaten seit wenigen Jahren viel mehr alsehedem in Aufnahme gekommen sind. Dieselben sind nämlichein sogenanntes fundiertes Papiergeld, welches gegen die gemässder Blandbill in den Staatsgewölben sich aufhäufenden Silber-dollars ausgegeben und vom Staat überall in Zahlung genommenwird. Es hat sich dabei gezeigt, dass das amerikanische Publikumfür den Gebrauch von Papierzahlungsmitteln einen so ausge-sprochenen Geschmack hat, dass es nach der grösseren odergeringeren Solidität des dem Papier zur Deckung dienendenWertes wenig fragt. Man hat sich immer mehr an die Bequem-lichkeit eines in der Brieftasche zu tragenden Geldes so ge-wöhnt, dass man sogar nicht einmal mehr Goldmünzen in derTasche tragen will. Übereinstimmend wird berichtet, dass manin den allermeisten Staaten der Union überhaupt beinahe kein