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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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tation, sich auch nur um Haaresbreite gerührt hätte! *) Ja dieIronie des Schicksals will es, dass nachträglich der Preis desSilbers im Gefolge der anderen Warenpreise sich selbst ein wenigzu rühren angefangen hat und als ein Geschöpf wie andere mit-gestiegen ist, aber nicht viel, bis jetzt etwa fünf Prozent vonseinem allerniedrigsten Tiefpunkt. Manche führten diese Auf-wärtsbewegung des Silbers auf Spekulationen zurück, welchesich aus der silberfreundlichen Gesinnung der ans Ruder ge-langten neuen Regierung in Washington erklären sollen.**)

In der That rühren sich die Silberfreunde in den Ver-einigten Staaten , und von verschiedenen Seiten derselben sindProjekte vorgebracht worden, welche aus einem unerträglichenZwitterzustand, der immer mehr zur Entscheidung drängt,heraushelfen sollen. Natürlich möchten sie das Dilemma zuGunsten des Silbers lösen. So hat sich vor einigen Wochen inSt. Louis eineSilberkonvention" zusammengefunden, welchezwar sehr schwach besucht war, aber dafür in der Schneidig-keit ihrer Beschlüsse nichts zu wünschen liess. Sie formulierteden Antrag, dass die Silberprägung von Standarddollars zu demfesten Goldverhältnis von i zu 16 in den Vereinigten Staaten ganz frei gegeben werde. Präsident Benjamin Harrison undsein Schatzsekretär Windom haben sich aber entschieden ab-lehnend gegen dies wirklich unsinnige Projekt erklärt. Dagegenzeigt der Präsident einem Vorschlag, welchen der genannteSchatzsekretär neuester Zeit veröffentlicht hat, ein freundlicheresGesicht. Windom schlägt vor, die jährlich gemäss der bekanntenBlandbill stattfindende begrenzte Ausprägung von Standard-dollars einerseits abzuschaffen, während andererseits die Re-

*) So ist, um nur das Wichtigste anzuführen, Roggen die Tonne seit1887 von 110 auf 180 Mk. gestiegen, Eisen von 39 % Mk. im November 1886auf 90 Mk. im Dezember dieses Jahres, von Kohlen, Fleisch und vielen anderenbekannten Steigerungen nicht zu reden.

**) Die Hauptursache liegt höchstwahrscheinlich im vermehrten Bedarffür den Osten. Die Ausfuhr von Silber nach Indien hat sich in diesem Jahrgegen das vorige beinahe verdoppelt, die nach den sogenannten Straits-Settle-ments sogar verdreifacht, letztere infolge des lebhafteren Geschäfts in Zinn ,Auch die Goldausfuhr nach Indien ist stark gewachsen. Dazu kommen nochvermehrte Silberprägungen in England , wo der Schatzkanzler Goschen einenTeil der goldenen halben Sovereigns durch Silber im Kleinverkehr zu ersetzenbemüht ist.