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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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darf man jetzt nach jenen Andeutungen ruhig annehmen, be-steht auch heute noch, nachdem er seit vorigem Jahr, infolgeeiner über die ganze Welt herrschenden Konjunktur, beträchtlichzurückgegangen, zu etwa drei Vierteilen aus Gold, und wennman bedenkt, dass nach der bekannten Peelsakte selbst im altenLande der Goldzahlung die englische Bank ein Fünfteil ihresSchatzes in Silber halten darf, so ergiebt sich daraus vergleichs-weise für uns ein beinah normales Verhältnis. Abnorm ist jadabei, dass die Zusammensetzung des Barschatzes noch immergeheim gehalten wird. Der Bankpräsident sagt, es herrschezwischen ihm und den verbündeten Regierungen Einverständnisdarüber, bei dieser Geheimhaltung einstweilen zu verharren; aberwenn der Herr Präsident jetzt mit den verbündeten Regierungenein gutes Wort reden und ihnen zeigen wollte, dass dieserSchleier ohne Gefahr vor Erkältung gelüftet werden könnte,wer weiss, ob diese guten Regierungen sich nicht überzeugenHessen ?

Konnte nun so die Goldwährung in seliger Ruhe hoch überden Stürmen dieser Bankdebätte schweben, so war doch nocheine Ursache dabei im Spiele, die ungleich viel mehr, als allesbis jetzt Erwähnte, eine solche Situation geschaffen hat. Näm-lich die grosse bimetallistische Pauke hat neuerdings ein fürchter-liches Loch bekommen, ein Loch, so gross, dass man fragenkann, was denn von dem ganzen Instrument noch übrig ist.

Wer dies Loch näher besehen will, der nehme die erstebeste Rede oder Abhandlung der letzten zehn Jahre irgendeines Doppelwährungsfreundes zur Hand. Er wird nicht zehnZeilen zu lesen brauchen, um auf die schrecklichste der Anklagengegen das Gold zu kommen, dass es nämlich den Niedergangaller Preise in der Welt beinah ganz allein auf dem Gewissenhabe, und dass allen Unglücklichen, die ihre Waren nicht mehrso teuer wie ehemals verkaufen könnten, vor allem den vor-trefflichen Landwirten, nur mittels der Wiedereinführung desSilbers zu besseren Preisen verholfen werden könnte.

Und siehe da! die Preise steigen wieder, und die Preise derunentbehrlichsten Massenartikel sind wieder gestiegen um zehn,zwanzig bis hundert Prozente, ehe das Silber sich auch nur vonseinem tiefsten Fall erholt hatte, und jedenfalls ohne dass seineWiedereinführung in den Geldverkehr, die sogenannte Rehabili-