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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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prahlerischen Prophezeiungen regelmässig Lügen gestraft haben.Eine Zeit lang suchten die eifrigsten Vorkämpfer das Problemlebensfähiger zu machen, indem sie seine Lebensbedingungenauf ein Minimum reduzierten. Sie warfen sich auf die Behaup-tung, dass eine gleichzeitige Rückkehr aller grosser Kultur-staaten zur freien Silberprägung gar nicht nötig sei, um demSilber ein festes Wertverhältnis zum Gold für alle Zeiten zusichern; es genüge schon, wenn einige mächtige Staaten indiesem Sinn ein Bündnis schlössen. Mit anderen Worten hiessdas: wenn auch England nicht mitthut, so kann die Sache dochins Werk gesetzt werden. Und dabei war es eigentlich aufDeutschland abgesehen. Hätte das Deutsche Reich sich beredenlassen, die Hand zu einem bimetallistischen Vertrag mit Frank-reich, Italien, Holland, Belgien und Nordamerika ohne England zu reichen, so hätten diese alle wahrscheinlich zugegriffen undDeutschland war um seine Münzreform betrogen. Glücklicher-weise hatte doch Fürst Bismarck , so nahe die Agrarier, dieleidenschaftlichsten Silberfreunde, seinem Plerzen standen, hierden Instinkt eines richtigen Widerstrebens. Für einen Doppel-währungsbund ohne England war er, wenn überhaupt, nicht zuhaben, und der preussische Finanzminister v. Scholz unterstützteihn darin aufs kräftigste mit einer klaren Einsicht in den innerenKern der ganzen Frage. Dass die Engländer gewünscht hätten,Deutschland verzichtete auf ihre Gegenliebe und ginge ohne siemit den anderen, kam uns dabei ohne Zweifel bei dem Leiterder hohen Politik zu statten. Das letzte Intermezzo vor derneuen amerikanischen Wendung spielte im Zusammenhang mitdiesem Stand der Dinge in England selbst. Weil es ohneGegenliebe nicht ging, sollte sie hier zu Tage gefördert werden.Es ist noch in lebhafter Erinnerung, wie eine mit grossen An-strengungen zu stände gebrachte bimetallistische Gruppe einenParlamentsbeschluss auf Einsetzung einer Untersuchungskom-mission zu Wege brachte und wie etliche Folianten von Zeugen-verhören und Gutachten das schätzbare Material über die Streit-frage um ein Namhaftes vermehrten, ohne auch nur zu demgeringsten praktischen Ergebnis zu führen. Seitdem gilt derAnsturm auf die Gesetzgebung in England für misslungen. Einparlamentarisches Nachspiel in der laufenden Session des Hausesder Gemeinen besiegelte die Hoffnungslosigkeit der bimetal -