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listischen Experimente. Noch im vorigen Jahre hatte man aufder Versammlung der englischen Handelskammern einen Ver-such gemacht. Einhundertsiebenzig Delegierte in Vertretungvon 54 Handelskammern waren erschienen, aber von den 170Delegierten stimmten nur elf für einen bimetallistischen Antrag.In der letzten Versammlung dieses Jahres ward die ganzeAngelegenheit überhaupt nicht mehr zur Sprache gebracht.
So war die Sache für Europa begraben. Die Goldwährungmachte sogar noch einige Fortschritte über den Status quo hin-aus. Rumänien schuf ein Münzgesetz, womit es zum Goldeüberging, sein Silber verkaufte. In Oesterreich beschloss man,sich ernstlich mit einer Aufnahme der Barzahlungen zu befassenund räumte allseitig dabei ein, dass von Doppelwährung nichtdie Rede sein könne.
Jetzt waren die amerikanischen Bimetallisten auf sich alleinangewiesen, und sie entschlossen sich umsomehr auf eigeneFaust vorzugehen, als die politische Konjunktur des eigenenStaates sie nach langen Jahren darin begünstigte. Unter denfrüheren Präsidenten wären Mehrheitsbeschlüsse des Kongresseszu Gunsten von Silbermachinationen am Veto des Oberhauptesgescheitert. Namentlich der Vorgänger des gegenwärtigen,Cleveland, war ein entschiedener Gegner und hat sich in einerDenkschrift förmlich als solcher bekannt. Nun aber war in derletzten Wahl die republikanisch-schutzzöllnerische Partei Siegeringeblieben, und wie die beiden Bekenntnisse, Schutzzoll undkünstliche Wertsteigerung des Silbers, innerlich auf demselbenBoden stehen, so fühlte sich auch der aus der republikanischenPartei hervorgegangene Präsident Harrispn den Silberleuten ge-neigt. Bald nach seinem Amtsantritt manifestierte er zu ihrenGunsten, und sein Staatssekretär Windom trat mit einem be-stimmten Gesetzesvorschlag gleichen Sinnes vor das Land.Dieser Vorschlag ist es auch, wenn schon einigermassen abge-ändert und unter anderem Namen schliesslich eingebracht,welcher zur Stunde den Kongress beschäftigt und die Aufmerk-samkeit der ganzen Welt mit Recht gespannt hält. Das Gesetz,wie es zuletzt vom Hause der Repräsentanten angenommenworden und jetzt dem Senate unterbreitet ist, geht im wesent-lichen auf Folgendes hinaus: Der Schatzsekretär wird ange-wiesen, monatlich für 4 1 /» Millionen Dollars Silber zum Markt-