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Gerade an diese seine Stellung schliesst sich eine Arbeit an,welche in erster Reihe unter denen genannt werden muss,durch welche sich ihr Verfasser seinen Platz unter den Ur-hebern der deutschen Münzverfassung gesichert hat. Im Mai1869 überreichte er den deutschen Regierungen als Anlage zueiner Eingabe des bleibenden Ausschusses des deutschen Handelstages eine
„Denkschrift, betreffend deutsche Münzeinigung aufGrundlage durchgängiger Dezimalteilung und durch Uber-gang zur Goldwährung".
Hier waren die herrschenden Zustände, ihre Mängel undUnzuträglichkeiten, die Geschichte der vorausgegangenen Ver-besserungsvorschläge, die den internationalen Münzeinigungengewidmeten Bestrebungen, endlich die Aufgaben und Ziele derGegenwart gründlich behandelt. Nachdem der Kongress derdeutschen Volkswirte die Frage der deutschen Münzeinigungbereits im Jahre 1860 angeregt hatte, wurde dieselbe vomersten deutschen Handelstag zu Heidelberg im Jahre daraufauf die Tagesordnung gesetzt und bis Ende 1865 unausgesetztauch im bleibenden Ausschuss desselben betrieben. Damals,wohlbemerkt, drehte sich das Interesse noch hauptsächlich umdie Münzeinheit, die Frage der Währung schwebte im Unent-schiedenen. Aber sie rückte nach dem bekannten ersten Pariser,die lateinische Union begründenden Münzkongress von 1865,auch in Deutschland der Goldwährung immer näher. Dervolkswirtschaftliche Kongress, im Jahre 1868 in Hamburg ver-sammelt, sprach sich bereits mit Entschiedenheit in diesemSinne aus. So war der Beschluss, welchen die Kommission desHandelstags mit Mehrheit im März 1869 zu Gunsten der Gold-währung fasste, vorbereitet, und die in Ausführung des Be-schlusses angefertigte, mit den Anlagen dreiundachtzig Quart-seiten ausfüllende Denkschrift Soetbeers bildet den erstengrossen Markstein in der praktischen Entwicklung des neuendeutschen Münzwesens. Die Schrift ist auch noch heute sehrlehrreich und interessant zu lesen.
Vom Jahre 1871 an beginnen Soetbeers Arbeiten natur-gemäss den Gang der grossen Ordnung unseres Münz- undBankwesens auf Schritt und Tritt zu begleiten. Er half die