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Lösung jeder einzelnen Aufgabe vorbereiten, er folgte mit seinerBegutachtung allen Stadien der parlamentarischen Beratung undsammelte, sichtete und kommentierte das zum Gesetz Erhobenefür das Verständnis und die praktische Anwendung. Seinezwei Handbücher über deutsche Münz- und Bankverfassungsind unentbehrliche Hilfsmittel für jeden, der sich mit diesenDingen befasst. Er ist unablässig für die Aufrechterhaltungund Durchführung unserer Goldwährung eingetreten, insbesonderefür Widerruf der unverantwortlich thörichten Inhibierung derSilberverkäufe Bismarckschen Angedenkens, und später für einAbkommen mit Osterreich wegen der von diesem Landeausgeprägten Thaler. Zwei vertrauliche Denkschriften, welcheer zu diesem Behufe noch in den letzten Jahren der Reichs-regierung eingehändigt hat, haben wohl das Ihrige dazubeigetragen, dass er noch die Genugthuung erlebte, unterdem Ministerium Caprivi dieses so berechtigte Verlangen er-füllt zu sehen.
In all den Zeiten von 1868 an bis zu seinem Ende, einVierteljahrhundert lang, hatte ich die Freude und den Vorteil,jede der auftauchenden Fragen brieflich oder mündlich mit ihmdurchzuarbeiten und, soweit es sich um die Aufgaben deutscherGesetzgebung handelte, übereinzustimmen. Oft kam er daraufzurück, wie lieb es ihm sei, nicht an meiner Stelle die Dingeim Reichstage ausfechten zu müssen; er beneidete mich nichtum das Vergnügen, mich mit den Phantastereien der land-junkerlichen Währungs- und Bankpolitik herumzuschlagen und,weiss Gott , er hatte Recht darin. Sein friedfertiger Sinn wardazu gar nicht angethan. Aus dieser — man dürfte sagen —friedseligen Neigung heraus erklärt sich auch das Verhältnis, indas er im Verlauf der Zeiten zur grossen Silberfrage kam, so-weit es sich um dieselbe als universelle Angelegenheit handelte.Denn, wohl bemerkt, in Sachen der deutschen Münzgesetz-gebung hielt er bis zum letzten Augenblick unerschütterlich ander Verteidigung der bestehenden Goldwährung fest. Dagegensuchte ein weicher, vermittelnder Sinn einen möglichst unschäd-lichen Weg, um auch die Silberfreunde zu versöhnen. Als alterStammverwandter der Hamburger Bank mochte auch sein Herznoch einen stillen Winkel für das so unbarmherzig entthronteweisse Metall in sich schliessen. In den achtziger Jahren ver-