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stieg er sich einmal in einer seiner Schriften zu dem Gedanken,theoretisch sei eine Doppelwährung mit festem Verhältnismöglich, wenn alle Kulturstaaten sich vertragsmässig darauffestlegten, aber für die Wirklichkeit erklärte er ein solches Ab-kommen doch für unausführbar. Bekanntlich hat er noch in diesemSommer für den bevorstehenden Brüsseler Münzkongress Vor-schläge und eine Denkschrift ausgearbeitet, nicht zum Zweckeiner vertragsmässigen Doppelwährung, sondern behufs einermöglichst breiten Ausnutzung des Silbers als Zahlungsmittelzweiter Klasse. Wie er aber noch selbst konstatierte, hat seinVorschlag keinen Anklang gefunden. Den Monometallistenging er zu weit und den Bimetallisten nicht weit genug. Erentsprach nur seinem persönlichen, auf Vermittlung gestimmtenNaturell.
Im Laufe der Zeiten wuchs Soetbeers Beruf immer mehrvon der volkswirtschaftlichen Seite nach der statistischen unddamit von der deutsch ^nationalen nach der universalen Aufgabehinüber. Hier war der wahre Grund und Boden seiner Leistungs-kraft, und hier entfaltete sich seine Thätigkeit immer breiterund angesehener. Die Schärfe volkswirtschaftlicher Argumen-tation, wie sie z. B. Otto Michaelis in so bewundernswertemGrade besass, war nicht Soetbeers Sache. Aber seine Kunst imSammeln und Ordnen von Thatsachen , verbunden mit dementsprechenden Fleiss, ist wohl selten übertroffen worden. Auchist er auf dem Gebiete der Edelmetall- und Währungsstatistikunbedingt der erste auf dem ganzen Erdenrund gewesen, undsein Name war beständig im Munde derer, die sich gleicherAufgabe widmeten. Das nützlichste seiner Werke, das für ab-sehbare Zeiten einer der Grundsteine dieser besonderen Wissen-schaft bleiben wird, sind die „Materialien zur Erläuterung undBeurteilung der wirtschaftlichen Edelmetallverhältnisse und derWährungsfrage" (in zweiter Auflage 1886 in Berlin erschienen)*).An dieses Werk, welches vor allem Soetbeers unsterblicheLeistung auf monetarischem Gebiete bleiben wird, knüpft sichdie wichtige Frage: wer in der Zukunft seine Arbeit fortsetzenwird. Denn die Entwicklung dieser Dinge ist gegenwärtig inso raschem Fluss und ihre Bedeutung für die Welt ist so sehr
*) Bei Puttkammer und Mühlbreclit.Bamberger, Reden u. Aufsätze.
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