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im Wachsen, dass alles, was stehen bleibt, sofort veraltet.Schon ein Jahr nach Vollendung der ersten Auflage sah sichder Verfasser genötigt, eine ergänzte neue zu veranstalten, undnur die Zeit hat ihm gefehlt, weiter damit fortzuschreiten. Auchin seinem Sinn müsste sich jetzt ein Nachfolger finden, welcherdiese, allerdings recht schwere, Erbschaft anträte. Dass einsolcher, auch nach Soetbeers Meinung, vorerst nicht in Sichtist, zeigt am besten die Grösse des Verlustes, welcher dieWissenschaft mit dem Tode getroffen hat. Am nächsten kommennoch die Jahrespublikationen des Münzdirektors in Washington ,jetzt Eduard O. Leech, und seines Kollegen des Comptrollersof the Currency, jetzt E. S. Lacey. Aber gerade als Mitarbeitund Gegenprobe namentlich auf den Bericht des Münzmeisters ,hatten Soetbeers fortlaufende Registrierungen noch einen be-sonderen Wert. Wie viele hervorragende Währungsstatistikerauch in den übrigen Ländern noch an der Arbeit seien, es wirdwohl niemand der Behauptung widersprechen, dass an Uni-versalität und Vollständigkeit die Arbeiten Soetbeers bis jetztunerreicht dastehen. Das grosse Geheimnis seiner grossenLeistung war, wie immer, die Liebe zur Sache. Er war mitdem ganzen Herzen dabei. Sie ging Tag und Nacht mit ihmherum. Der Mensch und seine Aufgabe waren ein einzigesWesen geworden. So wird das Beste in der Welt vollbracht.
Sein Glück wollte, dass er, in unabhängigen Vermögens-verhältnissen lebend, ohne alle Nebenrücksichten sich ganz seinerAufgabe widmen konnte. Im Schoss seiner Familie fand erdazu den vollen Genuss eines behaglichen, von Arbeit und vontreuer Liebe der Seinigen getragenen Daseins. Sein Vater,Heinrich Friedrich Soetbeer, Kaufmann in Hamburg , war frühgestorben. Nach genossener Schulbildung studierte der Sohnin Berlin und Göttingen Philologie und wurde Lehrer amJohanneum in Hamburg , wo er in Tertia den Homer kommen-tierte. Ein Freund der Familie, der in dieser Laufbahn wenigZukunft sah, beredete ihn, eine andere Fährte zu suchen undschlug ihm vor, etwas über den Stader Zoll zu schreiben. Derjunge Gelehrte erklärte, dafür gar kein Verständnis zu haben.Der Freund verschaffte ihm Materialien. Die Arbeit gelang,und so verdiente er seine ersten Sporen auf dem Gebiet seineskünftigen Ruhms. Im Jahre 1840 wurde er Bibliothekar, 1843