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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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spanntesten Konjekturen nach nur einer Seite hin zu Tage ge-fördert hat.

Meine Herren, ich will noch eins vorausschicken. Als dieFrage gestellt wurde, ob die Interpellation Gegenstand einerparlamentarischen Besprechung werden sollte, habe ich mich,entgegen meiner sonstigen Neigung in diesen Dingen, nicht zurUnterstützung dieses Antrags erhoben; nicht, weil ich fürchte,mich in die Debatte über diese Sache einzulassen, denn ichbeschäftige mich so beständig mit dieser Angelegenheit, dasses mir ja nur wünschenswert sein konnte, mich einmal darüberzu expektorieren, aber aus zwei anderen Gründen. Zunächsthabe ich eine gewisse Beklemmung empfunden, dass in demAugenblick, wo wir eine so schwerwiegende Frage, auf die ganzDeutschland mit der grössten Spannung hinhorcht, wie diegeplante Umformung unserer Kriegsverfassung, in heissem Be-mühen seit einigen Tagen unter der Aufmerksamkeit der ganzenNation und, ich möchte sagen, der ganzen gebildeten Welt de-battieren, wir diese Erörterung unterbrechen durch einen Gegen-stand, der, wie er heute liegt, für gänzlich wertlos und ernstlosvom Standpunkte unseres praktischen Verhaltens erscheinenmuss. (Sehr wahr! links.) Es wird nichts geändert in derWelt durch (Zuruf.) Sie sehen es ja selbst ein. Des-halb hätten Sie bei richtiger Würdigung der Lage etwas viel-leicht den Ansturm vertagen können, den Sie heute unternommenhaben, und uns in der Erörterung der Militärvorlage ruhig undwürdig fortfahren lassen können.

Das war der erste Grund, weshalb ich mich nicht zurUnterstützung der Besprechung erhoben habe; ich hatte abernoch einen zweiten Grund, und den hat der Herr Reichskanzlerbereits in seiner Antwort angedeutet. Ich will über das Ver-fahren eines Teils der Kollegen durchaus kein abfälliges Urteilaussprechen; das kommt mir nicht zu. Ich will auch nament-lich dem Beispiel des Herrn Kollegen von Mirbach folgen, jedeSchärfe aus dieser Diskussion herauszulassen. Aber um zuzeigen, wie ich über die heutige Interpellation und ihre Oppor-tunität denke, will ich nur eine Frage an die geehrten HerrenInterpellanten stellen.

Nehmen Sie einmal an, die Lage der Dinge wäre umge-kehrt; die Reichsregierung hätte zu einer internationalen Kon-