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ferenz, an der beinahe sämtliche Regierungen der Kulturländerbis nach Asien und nach Amerika hinein vertreten sind, Dele-gierte geschickt und hätte sie in einem Sinne instruiert, welcherder Anschauung der Herren Interpellanten zusagt, und nunhätten wir Freisinnigen von dieser Seite hier eine Interpellationeingebracht (sehr gut! links) und hätten gesagt: wie kannst du,Regierung, deine Delegierten in einem Sinne instruieren, deruns gar nicht genehm ist? Meine Herren, welch ein Sturm desUnwillens hätte sich gegen uns erhoben! Mit welchen Attri-butionen, mit welchen Eigenschaften wären wir behaftet worden,wenn wir unsere deutsche Reichsregierung vor sämtlichen Re-gierungen der gebildeten Welt hätten blamieren wollen mit einersolchen Interpellation! (Sehr wahr! links. Widerspruch rechts.)
Und nun, meine Herren, jetzt nehmen Sie noch den schönenBeigeschmack hinzu, dass es sich um eine internationale An-gelegenheit und zwar um eine internationale Gold- und Silber-angelegenheit handelt, und denken Sie, welche Persiflagen,welche Kommentare auf uns herabgeregnet wären, wenn wirim Interesse dieser kosmopolitischen Bemühungen — denn siesind doch so kosmopolitisch, wie je Bemühungen waren — demAuslande gegenüber versucht hätten, unserer Regierung einDementi zu geben! Wir wären begraben worden unter einemsolchen Haufen von Vorwürfen und Anklagen, dass wir unsgar nicht hätten zeigen können. Wenn Sie daraus einen Rück-schluss machen wollen auf Ihr eigenes Verhalten, so werdenSie doch auch vielleicht dem Herrn Reichskanzler beistimmen,dass es nicht sehr angezeigt war, in diesem Augenblick dieseInterpellation zu bringen.
Aber Sie hatten allerdings zwei Gründe zur Eile. Zuerstkonnte diese Konferenz in Brüssel , die ja schon unter so un-günstigen Auspizien begonnen hat, unter der Hand zerplatzen,und dann wäre es zu spät, hier noch zu intervenieren. DieseGefahr lag allerdings sehr nahe; denn die Konferenz ist soschwächlich auf die Welt gekommen, dass man jeden Augen-blick ihren Tod befürchtet. (Heiterkeit links.)
Es war auch noch ein anderer Grund; den hat auch derHerr Reichskanzler in seiner Rede bereits angedeutet. Es istnämlich Ihr Beauftragter in Brüssel erschienen — das giebt jaHerr von Kardorff zu —, und der Beauftragte musste doch