Druckschrift 
Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
554
Einzelbild herunterladen
 

554

eine Art Figur machen, besonders, wenn er ein Gegengewichtbieten sollte gegen die offizielle Vertretung des DeutschenReichs. (Sehr richtig! links.) Damit nun eine solche Diversionden nötigen soutien, wie man es im Kriege nennt, hätte, musstehier eine Kanonade losgelassen werden, und dieser Kanonadezu Liebe, meine Herren, müssen wir nun heute unsere Ver-handlungen über die Militärverfassung unterbrechen, damit HerrDr. Otto Arendt mit den gebührenden Ehren in Brüssel auf- ^

treten kann. (Grosse Heiterkeit links. Ach! rechts.) MeineHerren, wenn Sie (rechts) das leugnen, das will ich Ihnenja zugeben: Sie wissen es ja nicht, Sie haben unbewusst ge-handelt, Sie sind wie die unschuldigen Kinder hineingekommen;aber Herr Dr. Otto Arendt, dessen Überlegenheit gegenüberseinen bimetallistischen Kollegen auch Herr von Kardorff voll-ständig anerkennt (grosse Heiterkeit links), Herr Otto Arendt, der wusste sehr gut, was er that. Denn sowie ich gehört habe,er geht nach Brüssel, habe ich meinen Freunden sogleich ge-sagt: ihr werdet sehen, wir bekommen eine Interpellation, da-mit Herr Otto Arendt mit dem nötigen Brillantfeuer in Brüssel ^ erscheinen kann.

Das ist der Grund, weshalb Sie sich gedrängt fühlten, sovorzugehen, wie Ihnen sonst Ihr richtiger Instinkt und Ihr Takt-gefühl vielleicht abgeraten hätte.

Wollen wir nun aber obwohl wir in dieser Sache sindlieber uns nicht gar zu weit bei dieser Debatte hineinlassen inden Streit über Monometallismus und Bimetallismus! Ein be-kannter englischer Staatsmann wenn ich nicht irre, war esHerr Goschen, der letzte Schatzkanzler hat einmal gesagt:ausser über Religion und Liebe sind die Leute über nichts sooft verrückt geworden wie über Währungsfragen. (GrosseHeiterkeit.) Meine Herren, ich werde mir diesen Fingerzeigzu nutze machen und die ganze Tendenzfrage heute beiseitelassen. Für mich handelt es sich bloss um die Frage derOpportunität, jetzt der deutschen Regierung von Reichstags-wegen, wenn auch nicht durch einen Beschluss, so doch durchden Geist unserer Debatte einen Wink zu geben, dass sie falschverfahren wäre, und wie sie sich bessern und in Zukunft andersverfahren solle. Darauf allein werde ich mich beschränken.

Ich werde deshalb auch dem Gang der äusseren Ereignisse

I