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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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meine Herren, was sagt der Moment? Durch einenmerkwürdigen Zufall spricht er auf ein Haar heutegerade übereinstimmend mit der Vorlage der Re-gierung ... Meine Herren, die heutige Lage stimmtüberein mit dem Durchschnittsverhältnis eines ganzenJahrhunderts; sie stimmt überein mit dem Niveau, inwelches Silber zu Gold immer gekommen ist, nachdemes bald durch Entdeckung von Minen, bald durch denamerikanischen Krieg und die Baumwollenkonjunkturoder andere Ursachen gestört war; und ich glaube: dieReichsregierung kann es vollständig rechtfertigen, dasssie dieses Verhältnis von 15 x / 2 festgesetzt hat.

Das ist alles, was ich über die Sache gesagt habe; ichhabe kein Wort einer Prophezeiung hinzugefügt. Ich habeausserdem noch die Genugthuung gehabt, dass, als im vorigenJahre die Österreich- ungarische Monarchie ihr neues Währungs-system einführte und damals die Frage des Verhältnisseszwischen dem neuen Silbergulden und dem Papiergulden fest-gesetzt werden sollte, man sich ausdrücklich von vielen Seitenauf meinen damaligen Ausspruch berief, und dass die Motivesichtlich dieselben gewesen sind, die ich damals vertreten habe.Aber, meine Herren, wie kann Ihnen denn die Idee kommen,dass ich gemeint hätte, das Silber würde nicht heruntergehen?Wer hat denn wie ein Verzweifelter gekämpft, dass man dasSilber verkaufen solle, ehe es heruntergehen würde? Wer hatdenn von vornherein, im Jahre 1873, den leider von den ver-bündeten Regierungen und der Mehrheit des Reichstags nichtangenommenen Vorschlag gemacht, man solle, um einerkünftigen Entwertung des Silbers zu entgehen, rasch sämtlicheThaler einziehen, solle Münzscheine dagegen ausgeben undGold dafür kaufen, damit man das Silber möglichst rasch ein-ziehen könne, und solle nicht warten mit einer allmählichenEinziehung, sondern sich mittlerweile mit Scheinen behelfen?Das wurde abgelehnt.

Erinnern Sie sich der Herr Abgeordnete von Schalschawar ja damals auch hier und die anderen bimetallistischenKollegen auch, welche Kämpfe ich im Jahre 1879 mit demFürsten Bismarck gehabt habe, als er die Silberprägung ein-stellte ! Und nehmen Sie einmal an, ich hätte es nicht voraus-