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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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gesehen; hätte ich dann nicht tausendmal mehr Recht gehabt,gegen die Doppelwährung vorzugehen, wenn ich vorausgesehenhätte, dass ein so enormer Sturz kommen würde, dass dasSilber bis zu 35 Prozent entwertet würde? Das wäre nochein viel tausendfacherer Grund gewesen, sich das Silber vomHalse zu schaffen. Leider ist es nicht in dem Masse geschehen,wie ich es gewünscht hätte. Aber die Fabel werden Sie nichtaufrecht erhalten wollen, dass die lumpigen 600 oder 800Millionen Mark Silber, die Deutschland verkauft hat, das Silbergestürzt hätten. Seit dem Jahre 1879 verkaufen wir keinenPfennig mehr, und seitdem hat doch erst der eigentliche Sturzbegonnen.

Dies zur Richtigstellung. Es wird zwar nicht helfen.(Heiterkeit.) Es wird auch in Zukunft wieder dieselbe Be-hauptung wiederkehren; dagegen ist man ja ohnmächtig. Ichwill aber die Gelegenheit benutzen, um so etwas aktenmässigzu konstatieren.

Nun noch dem verehrten Herrn Kollegen von Kardorffgegenüber eine ganz kleine Bemerkung! Er hat Bezug ge-nommen auf eine Äusserung meines leider verstorbenen Freundesund hochverehrten Mitarbeiters Dr. Soetbeer. Dass dieser imletzten Jahre seines Lebens nach Mitteln gesucht hat, um denSilbergebrauch auszudehnen, das habe ich nie bestritten. Darüberhaben wir uns lebhaft unterhalten; ich war nicht seiner Ansicht.Wir haben uns gegenseitig, nicht vor dem Publikum, bekämpft;aber wir haben uns unter uns vielfach darüber gestritten, undich will Herrn von Kardorff nicht bestreiten, dass, wenn nur ineinem ganzen kleinen Punkte Soetbeer ihm beipflichtet, für ihndas ein sehr gutes Zeugnis ist. Aber er muss das qualifizierteZeugnis wie man es in der Jurisprudenz nennt vonSoetbeer so annehmen, dass er es nicht teilt; er muss deneinzelnen Ausspruch desselben nicht allein gelten lassen. Soet-beer hat bei einer anderen Gelegenheit, auch in der allerletztenZeit seines Lebens, noch folgendes gesagt: Unter allen Ländern schrieb Soetbeer noch im September dieses Jahres istes nach wie vor Deutschland , das den weiteren Verlauf derSilberfrage ruhig abwarten kann. Nun, meine Herren, genau,was der Haltung der verbündeten Regierungen entspricht.

Nun komme ich zur Interpellation in ihrem Text und be-