Till SchicketanzDann versuche ich manchmal davon zu sprechen, wie der Kriegwirklich ist.Ludwig Renn Krieger, Autor, KommunistLebensstationen von Ludwig RennWenden wir uns eingangs zunächst einmal der Frage zu, wer Ludwig Renn eigentlich war. -Heute fast nur noch Eingeweihten ein Begriff, wurde Renn zu Lebzeiten sozusagen überNacht, mit Erscheinen seines Erstlingswerk ,,Krieg", zu einer bekannten, nicht unumstritte -nen Größe in der Literaturszene der späten 1920er Jahre. Da er zuvor literarisch praktischnicht in Erscheinung getreten war, ist zu jener Zeit wenig über ihn bekannt. Interesse erreg-te, daß Ludwig Renn sowohl als Autor wie auch als Hauptfigur des Buchs ,,Krieg" auftritt.Man vermutete also, daß hier ein Veteran des Ersten Weltkriegs ein Jahrzehnt nach Kriegs-ende einen kaum literarisch zu nennenden, tagebuchartigen Tatsachenbericht seiner dama-ligen Erlebnisse lieferte. Die Namensgleichheit von Autor und Hauptfigur sorgt dabei für einHöchstmaß an Authentizität: Noch vor Beginn der eigentlichen Lektüre lautet die unmißver-ständliche Botschaft an den Leser: Hier wird nicht Erlebtes erdichtet, sondern berichtet.Der Fall lag aber anders: Ludwig Renn ist ein Pseudonym für den aus adliger Familie stam-menden Arnold Friedrich Vieth von Golßenau, der als hochdekorierter Offizier also nichtwie der Ludwig Renn des Buches als einfacher Soldat am Ersten Weltkrieg teilnahm. DerLebensweg nach 1918 um nur einige Stationen zu nennen ist schillernd: Zunächst Kom-panieführer bei der Sicherheitspolizei, dann Student in Göttingen und München, späterKunsthändler, bald danach Aussteiger auf dem Land, Weltreisender, anschließend wiederStudent diesmal in Wien erfolgt Ende der 1920er Jahre der Eintritt in die KommunistischePartei. Unter den Nationalsozialisten 1933 zweieinhalb Jahre in Haft, geht Ludwig Renn, wieer sich seit 1930 offiziell nennt, nach Spanien und kämpft als Stabschef der 11. Internationa-len Brigaden gegen Franco. Nach dem Exil in Mexiko, wo er im antifaschistischen Widerstandarbeitet, kehrt Renn nach Deutschland zurück, um in der DDR als Hochschullehrer zu wirken.Des Pseudonyms ,,Ludwig Renn" bedient sich der Verfasser erstmals 1927, als Referent ander Volkshochschule Zwickau. Im Folgejahr, mit Erscheinen von ,,Krieg" hält es der Verlag auskaufmännischen Gründen für opportun, die wahre Identität des Autors, vor allem aber des-sen adelige Herkunft vorläufig zu verschleiern. Renn zitiert in seinen Memoiren den Lektorder Frankfurter Zeitung:Für den Vertrieb Ihres Buches wäre es ungünstig, wenn wir es unter Ihrem Namen herausgäben. DieLeute würden etwas Falsches vermuten. Viele lieben auch den Adel nicht.[...] Wären Sie bereit, sich zuverpflichten, für mindestens sechs Monate sozusagen im geheimen zu leben?[...] Beim Lesen Ihres M a-nuskripts dachte ich, Sie wären ein Tischlergeselle in irgendeinem kleinen Dorf. Haben Sie etwas dage-gen, wenn wir diese Vermutung aufrechterhalten?"1Ludwig Renn beziehungsweise Arnold Friedrich Vieth von Golßenau wird am 22. April 1889in Dresden geboren. Er entstammte einer angesehenen, sächsischen Familie, die 1745 gea-1
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Dann versuche ich manchmal davon zu sprechen, wie der Krieg wirklich ist : Ludwig Renn. Krieger, Autor, Kommunist
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