»Inseln im Meer des Beliebigen«896.Im Allgemeinen interessiert es den Nutzer nicht, auf welche Weise Da-ten in eine Datenbank gelangen entscheidend ist für ihn, wie das er-fasste Material aufbereitet und im Internet zur Verfügung gestellt wird.Dabei erweist sich der Grad, in dem das Corpus in formaler und inhaltli-cher Hinsicht erschlossen wurde, als ebenso zentraler Faktor wie die er-gonomische und taktile Funktionalität der Zugriffsmöglichkeiten. DieAttraktivität eines digitalen Archivs steigt folglich in dem Maß, wie esden individuellen Arbeitsgewohnheiten seiner Nutzer entgegenkommtund traditionelle Wege der Informations- und Literaturbeschaffung er-leichtert.Von der Volltextsuche abgesehen, sind es im Fall der bibliographi-schen Recherche in einem digitalen Zeitschriftencorpus im Wesentlichendrei typische Suchstrategien, welche die Anbieter berücksichtigen müs-sen: In der Regel will der Nutzer über gängige Suchoptionen gezielt undohne Verzug bestimmte Materialien aufrufen, deren Quellenangabenganz oder teilweise bekannt sind(Simple Search). Will man Suchergeb-nisse einschränken oder liegen nur rudimentäre Hinweise vor, müssenmittels kombinierter Suchmöglichkeiten hierarchisch organisierte Tref-ferlisten generiert werden können(Advanced Search). Zuletzt darf nichtignoriert werden, dass viele Nutzer im Bestand>stöbern< möchten: Wieder Besucher einer realen Bibliothek mal zu diesem, mal zu jenem Bandgreift, klickt der Nutzer eines digitalen Archivs mal diesen, mal jenenLink an, um sich von Zufallsfunden überraschen zu lassen oder in be-kannten Kontexten gezielt zu lesen.Es empfiehlt sich daher grundsätzlich, dass ein digitales Archiv seinengesamtenDatenbestand in strukturierter Form visualisiert vor allemum den Nutzern einen Überblick über den Umfang, die Vollständigkeitund die Erschließungstiefe des Textcorpus zu vermitteln. Endloslisten,die bibliographische Daten nach singulären Kriterien aufführen, erweisensich als unpraktisch und unübersichtlich. Dagegen wird der Einstiegzweifellos erleichtert, wenn das Vorwissen der Nutzer bezüglich desUmgangs mit bestimmten Textcorpora berücksichtigt wird und die Prä-sentation des digitalen Bestands der analogen>Urform< des Mediumsfolgt: Aus Erfahrung>weiß< der Nutzer, dass er in einer Bibliothek zu-nächst ein Periodikum auswählt und dann zu einem bestimmten Jahr-gang greift. Er hat>gelernt<, dass ein Jahrgang eventuell ein Inhaltsver-zeichnis enthält, auf jeden Fall aber eine beliebige, prinzipiell chronolo-gisch geordnete Anzahl Einzelhefte umfasst; erst in den Heften erwartetder Nutzer, auf>Text< in Form einzelner Artikel zu stoßen.
Aufsatz in einer Zeitschrift
"Inseln im Meer des Beliebigen" : Architektur und Implementierung eines Internetportals Deutsch-jüdische Periodika
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89
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