der Buchdruckerkunst.
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sondern auch beweisen, daß der Verfasser nicht der Meynung war, daß die Erfin-dung von Bücherdrucken zu seiner Zeit, und, so zu sagen, unter seinen Augen ge-schehen wäre, weil er in diesem Falle ohne Zweifel davon gesprochen haben würde.
Ich kann mir fast vorstellen, daß der gelehrte Schöpstitt wenn er nochamiebenware, meine Meynung ergreifen würde; er, der das Drucken mit Tafelnund da hinein geschnittenen Buchstaben, wie er in den Spielkarten voraussetzte, indas vierzehnte Jahrhundert zurück setzt. Er baute gleichwohl hier auf einen fal-schen Grund, welchen mir die jiebe zur Wahrheit anzunehmen verbietet. Es wur-den in dem vierzehnten Jahrhunderte wohl Spielkarten gemacht; aber es ist nichtbewiesen, daß die Karten gedruckt waren. Das Gegentheil sieht man bey dcmsel-ben Schriftsteller, welchen Schöpft»? angezogen hat. Man findet namentlich einePost in den Rechnungen von Karl Poupart, Schatzmeister von Frankreich , unterKarl dem VI., worinnen gesagt wird: „Bezahlt, an den Maler Iaqnemitt Grin-goimeur für drey Spiele Karten, mit Gold und Farben und mit verschiedenen Sinn-sprüchen , 50 Pariser Sous 2)." Diese Anmerkung hat der gelehrte Mecrmannschon vor nur gemacht; und ein jeglicher, der das Werk des Bullet gelesen hat,wird eben dieselbe Anmerkung sogleich machen.
Aber vielleicht hat Schöpflin unsern Niederländischen Künstlern nicht wollendie Erfindung der beweglichen oder einzelnen Buchstaben zueignen, die er Gut-tenbergei! zuschreibt, und die, nach seiner Meynung, die ganze Schönheit undden ganzen Werth von der Druckerei) ausmachen. Hierinnen hat er sich sicherlichgeirrt. Wenn Schöpstitt, anstatt die Irrthümer nachzuschreiben, welche hun-dertmal wiederholt sind, selbst die Dvnate, die ersten Ausgaben von dem Nieder-ländischen Spiegel, und die andern Stücke, worauf die Hollander fo viel hallen,untersucht hätte: fo würde er Buchstaben, die umgekehrt stehen, oder die aus ihrerStelle gerückt sind, Zeilen, die zum Theil schief laufen, die Abdrücke der Stück-chen, welche die Worte von einander rücken, und alle andere Zeichen von einzelnenBuchstaben gefunden haben. Aber dieß hat Sel'öpstin nicht gethan; er hat dar-über keinen der Holländischen Schriftsteller zn Rathe gezogen, welche die Sache vonHartem vertheidigen; ja, er hat sogar ihre Beweisgründe nicht gewußt. „Ichkann mich," sagt er, „mit den letzten Niederländischen Schriftstellern nicht vereini-gen, welche die Erfindung, mit einzelnen und beweglichen Buchstaben zu drucken,der Stadt Harlem zugeschrieben haben, welches weder Scrweriuö, noch Box-
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