Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
Seite
18
Einzelbild herunterladen
 
  

iZ Berühmt. Berüchtiget.

9. Berühmt- Berüchtiger.

L^n so weit kommen diese Wörter mit einander überein,daß sie beide etwas anzeigen, was in der Welt sehrbekannt geworden ist, und ein grosses Aufsehen gemachthat, aber darin sind sie unterschieden, daß das eiste alle-mal in einem guten, das andere in einem bösen Sinn ge-braucht wird.

Eigentlich zwar, kommt das Wort berüchtiget vonRuf, berufen her, und könnte also seiner Abstammungnach, sowol in einem guten als bösen Verstände gebrauchtwerden, wie es denn auch von den Alten zuweilen in einemguten Sinn genommen wird. Allein dem heutigen Ge-brauche nach, pfleget man ihm allezeit einen böstn Ver-stand beizulegen, eben wie dem Zeitworte berüchtigcn,welches so viel heißt, als in ein böses Gerücht bringen.Luc, 16. v. 1. Der ward vor ihm berüchtiget, als hät^> crihm seine Güter umbracht. Tit. 1. v. 6. Nicht berüchtti-get, daß sie Schwelger und ungehorsam sind.

Man sagtalso jetzt: Demosthenes war der Berühm-teste unter den griechischen, und Cicero der Berühmtesteunter den lateinischen Rednern. Cäsar hat sich durch sei-ne Schriften, eben so berühmt gemacht, als durch seineSiege. Hingegen der berüchtigte Mörder, Heinrichsdes vierten. Der berüchtigte Cartouche. Herostra-tuö wollte sich durch Verbrennung des Tempels der Dianaberühmt machen; Aber er ist bei der Nachwelt, unterden gottlosesten Mordbrennern berechtiget. Der Ge-neral Tylly hatte sich durch verschiedene Siege berühmtgemacht; Aber die berüchtigte Verheerung der StadtMagdeburg , hing seiner Ehre, einen unauslöschlichenSchandfleck an.

Eben diesen Unterschied beobachtet man auch, wennman von leblosen Dingen redet. Der berühmte ColossuSzu Rhodus. Das berühmte corinthischeErz. Die be-

rühnv