84 Dreist. Kühn. Herzhaft Verwegen.
Als Alexander den PoruS fragte, wie er von ihmwollte gehalten seyn, antwortete dieser dreist: lVie ein-Aönig. Man brauchet aber das Wort dreist, auchbisweilen in einem bösen Sinn. Ein dreister Bube.Als Catalina die Rede des Cicero angehöret hatte, warer noch so dreist, den Cicero einen neuen Nlenschenzu nennen, der nicht einmal ein eigen Haus in Rom hät-te, und die Rathsherren zu bitten, sie mochten sich nichtwider ihn, durch die Verleumdungen seines bitterstenFeindes einnehmen lassen. Aber auch in diesem Sinn,drücket es ein gutes Zutrauen zu sich selber aus. Eindreister Bube, der etwas Böses unternimmt, verlaßtsich auf seine Gefchicklichkeit oder andere Umstände, wor-aus er vermuthen kann, daß er ungestraft bleiben werde.Catilina war dreist, er hatte ein gutes Zutrauen zu sichselbst, und hoffcte durch seine Verleumdungen, dieRarhsherren wider den Cicero aufzubringen.
Die Wörter kühn und Aühnheir werden gemei.niglich in einein guten Verstände gebraucht, wenn einMensch, aus Uebel legung und Einsicht, die Gefahrnichtscheuet, weil er siehet, daß es am besten ist, derselbenentgegen zu gehen.
So kann man sagen: Die Kühnheit der preus-sischen Truppen, mit welcher sie oft eine weit überlegeneAnzahl ihrer Feinde angegriffen, ist gemeiniglich vonglücklichen Folgen gewesen. Parmenio stellete dem Ale-rander vor, daß es gefährlich sey, über den Granikus zugehen, fowol wegen des reißenden Stroms, und der stei-len Ufer desselben, als wegen des jenseit stehenden persi-schen Heers; Aber Alexander war so kühn, dem ohnge-achtet den Uebergang vorzunehmen, weil ersähe, daßeSwirklich am besten sey, den Persern, eben dadurch, so-gleich einen grossen Begrif, von der macedonifchenTapferkeit beizubringen, und ihnen ein Schrecken ein-zujagen. Wenn diese Wörter in einem widrigen Sinn
gebraucht