Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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Alt. Bejahrt. Betagt. ,6,

stehet es ihm an, daß ?r seine besten Jahre zurückgelegthabe. Seit dem ich ihn nicht gesehen habe, hat er sehrgealtert, das ist, ich kann es ihm ansehen, daß in derZeit, das Alter bei ihn, herangekommen ist, und seineKräfte abgenommen haben.

Es geschiehet nur im Scherz, und uneigentlich, wennman von einem Pferde sagt: Es altert schon. Einigesagen auch ältcln, von seiche» Dingen, welche anfangennach der Faulniß oder dem Schimmel zu riechen. DasFleisch alrelr schon, das ist, es sangt an übel zu riechen.Hingegen sagt man: Der Rheinwein altelt, in einem gu-ten Verstände, wenn man schmecken kann, daß er alt undalso besser wird.

Veralten, sagt man von solchen Dingen, welche durchvielen Gebrauch, z» ihrer Bestinmnmg untüchtig werden.Das Kleid ist veraltet. Es sind eitel veraltete Sachen,welche man durch diesen Ausruf zu verkaufen sucht.

99. Alt. Bejahrt. Betagt.

Alt, wird überhaupt von allen Dingen gebraucht. Bes^ jährt und Betagt, nur allein von den Menschen.

Man sagt: Ein alter Mann. Ein altes Haus. Einaltes Kleid. Ein altes Thier, n. s. w. Aber nicht:Ein bejahrtes oder betagtes Thier. Ein bejahrtesoder betagtes Haus, u.s.w. Hingegen: Ein bejahr-ter oder betagter Mann. Eine bejahrte ober betagteFrau.

Ohngeachtet es scheinen mochte, als ob bejahrt, nochein grösseres Alter ausdrücken müste, als betagt, so hatdoch der Gebrauch das Gegentheil eingeführet.

Einen bejahrten Mann, nennet man bisweilen den-jenigen, welcher nur in dem Anfange des Alters stehet.Wenn wir sagen wollen, daß jemand nicht mehr jung sey,sondern schon die Jahre des männlichen Alters zurück ge-legt habe, so sagen wir: Er ist schon ein bejahrter Mann.Scoschl.TH. L Frisch