Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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Erlangen . Kriegen. 20z

i) Empfangen, kann vors erste niemals von solchenDingen gesagt werden, welche die Natnr einer Sachegiebt, oder, welche aus ihrer innerlichen Beschaffenheitselbst entstehen. Man kann sagen: Dieser Mensch, hatnach seiner Krankheit, wieder eine recht gute Farbe be-kommen. Er hat das Fieber bekommen. Er hat diePocken bekommen, und dergl. Aber nicht: Er hateine gute Farbe, er hat das Fieber, er hat die Pocken em-pfangen. Imgleichen sagt man: Laub bekommen,Wurzeln bekommen, Haare oder Federn bekommen,Augen bekommen. Die jungen Hunde liegen neunTage blind, am zehcnten bekommen sie Augen. Hierkann man ebenfalls nicht sagen: Laub empfangen, Wur-zeln empfangen, Haare oder Federn empfangen, Au-gen empfangen. Man sagt zwar, Kinder bekommen,und Kinder empfangen, aber alsdann heißt das letztereso viel, als concipcre, und wird nur von dem weiblichenGeschlechte gebraucht, da man hergegen das erste, von bei-den Eltern sagen kann. Diese Eheleute bekommen vielKHder, oder haben viel Kinder bekommen.

s) Zweitens, man sagt nur von vernünftigen Ge-schöpfen, daß sie etwas empfangen, von unvernünftigenund leblofen, braucht man das Wort bekommen. DasVieh hat sein Futter bekommen, das Faß hat ein Lochbekommen, das Papier hat einen Riß bekommen, dieMauer hat Borsten bekommen, und man kann nicht sa-gen: Das Vieh hat sein Futter, das Faß hat ein Loch,das Papier hat einen Riß, die Mauer hat Borsten em-pfangen. Daher kann eS auch nicht unpersönlich, (im.xerlonslitei) gebraucht werden. Man kann wohl sagen:Es ist nichts mehr von dieser Sache zu bekommen, abernicht: Es ist nichts zu empfangen.

z) Drittens, so dünkt mich, das Wort empfangen,könne eigentlich nur in einem guten Sinn, und von qutenDingen gebraucht werden. Man sagt: Ich habe das

Geld