Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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204 Bekommen. Empfangen. Erhalten.

Geld oder den Wechsel empfangen. Er hat ein Geschenkempfangen, n. s w. Aber man sagt nicht: Ich habeVerdruß empfangen. Er hat einen Stoß »der Schußempfangen. Wenn man ans Reisen, in den elendenDorfwirthshaustrn übernachten muß, kann man leichtUngeziefer empfangen; Sondern man braucht alsdann,das Wort bekommen.

In dieser Meinung werde ich durch die Etymologiebestärket, weil das Wort empfangen, herkommt vonLangen oder Fähen, (daher es von einigen, cmpfahen,geschrieben worden,) und also eigentlich soviel bedeutet,als eine Sachs auffassen: Sie gerne annehmen, welchesvon bösen Dingen nicht gesagt werden kann.

Ich weis zwar wohl, daß einige sagen: Eine Wundeempfangen. Er starb an der Wunde, welche er in derSchlacht empfangen hatte. Schläge empfangen, unddergleichen. Allein es ist noch nicht ausgemacht, v'.> die-ses recht se», und man wird allemal besser und richtigersagen: Eine Wunde bekommen. Schlage bekommen.Zum wenigsten ist soviel gewiß, daß das Wort empfan-gen, mehr von guten, als v.m bösen Dingen gebrauchtwird, und wenn ein Auslander nicht wüßte, ob er voneiner bösen Sache, sich des Worts empfangen, bedie-nen, und z.E. sagen dürfe: Ich habe Verdruß empfansgen, so kann er allemal sicher, das Wort bclommen,nehmen. Herr Adelung bemerket bei 5em Worte em-pfangen, daß es sowol in der Deutschen Bibel, als auchim Oberdeutschen, noch häustg von leblosen Körpern ge-braucht werde, i B. Mos. 4. v. 11. Die Erde, die deinesBruders Blut, von deinen Handen empfangen. 4 B.Esr. 9. v. ?4. Wenn die Erde den Saamen empfanget.Er sagt aber auch dabei, daß man sich im Hochdeutschen,lieber des Zeitwortes bekommen, oder eines anderenAusdruckes bediene. Imgleichen führet er die Schrift-steilen an: 2 Eor. n. v. 24. Vierzig Streiche empfangen.

Matth.