Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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Verwüsten. Zerstören. Verstören. 561

alles in der größten Unordnung gebracht, und gänzlichumgekehret wird.

Bei den Alten, wurde auch das Wort Stören vonden Sturmwinden gebraucht, welche alles durch einanderwehen, den Himmel trübe machen, und den Staub indie Luft treiben. Gcstore, hieß ein Ungewitter. Woll-te man hiervon die Wörter Zerstören und Verfrorenableiten, so würde die Bedeutung doä) einerlei seyn, undeine solche Durcheinanderwerfung und ganzliche Umkeh-rung anzeigen, wovon der Staub in die Luft steiget.

Beide Wörter, Zerstören und Verstören, bedeu«ten also in der Hauptsache einerlei. Der einzige Unter-schied zwischen ihnen, wird durch die?i ac^olitiones in5e-zz^rsbileü, zer und ver gemacht. Zer, bedeutet eingewaltsames Theilen und Trennen des Ganzen, wie inzerbrechen, zerknirschen, zerfallen, zerreiben,u. s. f. Zerstören zeiget also an, daß alles gewaltsamerWeise, von einander gerissen und zerbrochen wird. Diekraexivlitio ver, zeiget ein gänzliches Aufhören und En-digen an. Z. E. Verbluten, das ist, aufhören zu blu-ten, weil man nicht mehr bluten kann: Verdursten,das ist, aufhören zu dursten, so, daß man nicht mehrdursten kann: So auch, verblühen, verschmachten,verbleichen, verfließen, u. s. w. Verstören, heißtalso, dergestalt in Unordnung bringen und umkehren, daßnichts mehr umgekehrt werden kann; Alles von Grundaus darnieder werfen.

1) Hieraus nun wird man vors erste sehen, daß esganz unrecht geredet sey, wenn man sagt: Diese Stadtist durch ein Erdbeben verheeret; Weil kein Heer dazugebraucht worden. Man muß nothwendig hier sich desWortes Verstören bedienen. Oder man könnte sagen:Die Stadt ist durch ein Erdbeben verwüstet worden,wenn sie ganzlich verschlungen, oder wenn der Ort, wosie gestanden, einer Wüste und Einöde gleich gemacht

Z 5 wäre-