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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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16 Erster Theil.

aus, oder bringt eines hervor; und, als Besiimmungs-gründ des Beyfalls, laßt es das Urtheil über den Ge-genstand nicht mehr frey seyn.

Was das Interesse der Neigung beym AngenehmenVetrift, so sagt jedermann: Hunger ist der beste Koch,und Leuten von gesundem Appetit schmeckt alles wasnur eßbar ist; mithin beweiset ein solches Wohlgefallenkeine Wahl nach Geschmack. Nur wenn das Bedürfnißbefriedigt ist, kann man unterscheiden, wer unter VielenGeschmack habe, oder nicht. Eben so giebt es Sitten(Conduite) ohne Tugend, Höflichkeit ohne Wohlwollen,Anständigkeit ohne Ehrbarkeit u. s. w. Denn wo dassittliche Gesetz spricht, da giebt es, objectiv, weiter keinefreye Wahl in Ansehung dessen, was zu thun sey; undGeschmack in seiner Aufführung (oder in Beurtheilunganderer ihrer) zeigen, ist etwas ganz anderes, als seinemoralische Denkungsart äußern: denn diese enthalt einGebot und bringt ein Bedürfniß hervor, da hingegender sittliche Geschmack mit den Gegenstanden des Wohl-gefallens nur spielt, ohne sich an eines zn hangen.

Aus dem ersten Momente gefolgerte Erklä-rung des Schönen»

GeschMackist das Beurtheilungsvermögen einesGegenstandes oder einer Vorstellungsart durch ein Wohl-gefallen, oder Mißfallen, ohne alles Interesse. DerGegenstand eines solchen Wohlgefallens heißt Schön.

Zweytes