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Aelteste Buchdruckergeschichte von Bamberg : wo diese Kunst neben Mainz, von allen übrigen Städten Deutschlands zuerst getrieben worden ; aus der Dunkelheit hervorgezogen und bis 1534 fortgeführt, auch mit ein Paar Abhandlungen versehen / von P. Placidus Sprenger, Benediktiner und Bibliothekar der Abtey Banz
Entstehung
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Neuer Versuch einer kurzen Geschichte vom Ursprung und Fortpflanzung

der Buchdruckerkimst.

5. i.

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ic Erfindung einer Kunst, welche ihrL)aseyn nicht dem Zufalle, sondern dem Nachden-ken schuldig ist, entstehet nicht auf einmal. Sie braucht Veranlassung, und Versuche, dievon der Kindheit ausgehen, ehe ein vollendeter Mann erscheint. So verhalt es sich mitder Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. Die Xylographie, oder die Kunst, Bilder undText in Holz zu schneiden, und auf Papier abzudrucken, war das Vorspiel. Diese Künstlernannte man Formschneider. Sie stammten von den Brief- oder Kartenmalern ab, und imJahr 1442 war zu Antwerpen eine Bruderschaft odev Gilde der bildenden Künste, worunterin einer gleichzeitigen Urkunde auch Illuministen und Drucker (nicht Buch - sondern Vilderdru-cker) genannt werden. Anfangs verfertigten sie nur einzelne Stücke, mit Daruntersetzungdes Namens des Heiligen, oft auch mit Beysetzung eines Schrifttextes, oder andern Denk-spruchs. Dergleichen zur Seit noch ältester Holzschnitt ist ein heil. Christoph, in der KarthauseVuxheim, mit der Iahrzahl 142z- Die Färbung ist gut und haltbar, und kann nicht vonder Schreibdinte herrühren. Nachher wurde der Text auf besondere Tafeln geschnitten,und den Bildern gegenüber gestellet; und so entstunden Bücher, dergleichen von Heineckenin den Nachrichten von Künstlern und Kunstsachen mehrere beschrieben hat. Die Bibliothekder Abtey Michelsberg bey Bamberg hat eine /^rs inemoi'gnäi notzbilis per ssZurzz Lvsn-zsIMsrum auf 28 Blattern in kl. Fol. (wovon aber zwey ausgerissen sind), ein höchst selte-nes Werk der Xylographie; denn der Formschneider bediente sich zum Abdruck der genieinenDinte, welche floß und durchschlug, daher auch nur eine Seite jeglichen Blatts bedrucket ist.Eine ganze in dieses Fach gehörige ^pocslypli^' besitzen die PP. Dominikaner zu Wirzburg.Diese Kunst ist durch die erfundene Buchdruckerey nicht ganz verdränget worden. Das StiftBan; hat auf einem halben Bogen die Beschreibung eines geometrischen Instruments, IZgcuIuzZ->c.oIz genannt. Die eine Hälfte nimmt die Figur des angewandten Werkzeugs, die andereden Text ein, mit der Jahrzahl 1502 und den Anfangsbuchstaben des Künstlers (?. ^.

Daß die Kunst der Formfchneider bey der Wiege der Buchdruckerey schon hoch gestie-gen, ersehen wir nicht nur aus dem Mainzischen Psalter von i4S7, sondern auch aus einem

A gleich-