Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
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225
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in die allgemeine Geschichte. 225

der Jsraeliten that. Daher führt er den Jsraelitenkeine andern Zeugen, als ihre eignen Augen, an.Moses erzählt ihnen keine Sachen, die in fernenWüsten, wohin niemand kommen kann, oder in tie-fen verborgnen Holen geschehen sind; er redet nichtin die Luft; er erzählt alles so genau und umständ-lich, als ein Mann, der nicht befürchtet, daß manihm widersprechen kann. Er gründet alle Gesetzeund die ganze Einrichtung ihrer Republik auf d^'eWunder, die sie gesehen haben. Diese Wunder be-stunden darinnen, daß sich die ganze Natur bey ver-schicbnen Gelegenheiten verwandelt hatte, sie zu be-freycn, und ihre Feinde zu bestrafen. Das Meer,welches von einander getheilt worden war; die Erde,die sich aufgethan hatte; das Brodt vom Himmel;das Wasser, welches Moses mit seinem Stäbe ausdem Felsen in großer Menge hervorbrachte; der Him-mel, der ihnen durch ein sichtbares Zeichen ihren Wegbezeichnete, und andre solche Wunder hatten dieJsraeliten, vierzig Jahre hindurch, mit ihren Augenselbst angesehen.

Das israelitische Volk war nicht verständiger undklüger, als die andern Völker, die ihren Sinnen über-lassen waren, und sich keinen unsichtbaren Gott vor-stellen konnten. Es war vielmehr eben so unverstan-dig, und eben so sehr, wo nicht noch mehr rebellisch,als irqend ein andres Volk. Allein dieser Gott,welcher seiuer Natur nach unsichtbar ist. gab sich durchbeständige Wunder so deutlich zu erkennen, und Mo-ses prägte es ihnen mit so vielem Nachdrucke ein, daßendlich dieses fleischlichgesinnte Volk sich von der reinenVorstellung eines solchen Gottes rühren ließ, der alles

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