Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
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296 Bischof Bossuets Einleitung

Der Heiligste und Beste unter allen Menschen, dieHeiligkeit und die Güte selbst, wurde am meistenbeneidet und gehaßt. Er läßt sich dadurch nicht ab-halten, und hört nicht auf, seinen Brüdern dem Flei-sche nach Gutes zu thun; allein er sieht ihre Undank-barkeit. Er verkündigt ihre Bestrafung mit Thrä-nen vorher, und weißagt der Stadt Jerusalem ihrennahen Untergang. Er prophezeiht auch, daß die Ju-den, die Feinde der Wahrheit, die er verkündigte, ih-rem Irrthume übergeben, und ein Spiel und Spottder falschen Propheten seyn würden. Unterdessenbringt ihn der Neid der Pharisäer und der Priesterzu einem schändlichen Tode; seine Jünger verlassenihn; einer unter ihnen verräth seinen Meister, undder erste und eifrigste von allen verleugnet ihn drey-mal. Der Heilige wird vor dem hohen Rathe angeklagt,er ehrt das Amt der Priester bis ans Ende, und ant-wortet dem Hohenpriester, der ihn gerichtlich befragt,mit kurzen und hinlänglichen Worten. Allein dieStunde war gekommen, wo die Synagoge verworfenwerden sollte. Der Hohepriester und der ganze hoheRath verdammen Christum , weil er sagte, daßer der Sohn Gottes wäre. Er wird dem PontiusPilatus , dem römischen Landpflegcr, überliefert;seine Unschuld wird von diesem Richter erkannt, alleinseine Staatökunst und sein Eigennutz verkeilen ihn,daß er wider sein Gewissen handelt. Der Gerechtewird zum Tode verdammt. Das Größte unter allenVerbrechen, die iemals begangen worden sind, giebtAnlaß zum vollkommensten Gehorsame , den niemandnoch geleistet hat. Jesus , ein Herr über sein Leben,und über alle Dinge, überläßt sich der Wut der B oshaf-ten freywillig, und wird das Opfer zur Aussöhnung des

mensch-