Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
337
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in die allgemeine Geschichte. M

sagen? Die Richter können an Verbrechern keine sostrenge Gerechtigkeit ausüben, als bußfertige Sünderan sich selbst ausgeübt haben. Ich sage noch mehr,die Unschuldigen selbst haben mit einer unglaublichenStrenge die außerordentliche Neigung bestraft, die wirzur Sünde haben. DasLeben des heiligenJohanneS,des Täufers, wurde unter den Christen etwas gemei-nes , und die Wüsten wurden Don seinen Nachfolgernbevölkert. Es gab so viele Einsiedler, daß die voll-kommensten Einsiedler noch unbekanntere Wüsten such-ten; sosehr fiohe man die Welt, und so viel Geschmackfand man an dem beschauenden Leben ^.

Dieses waren die schätzbaren Früchte, welche dasEvangelium tragen sollte. Die Kirche ist so reich anBeyspielen, als an Vorschriften, und ihre Lehre wurdefür heilig gehalten, weil sie unzählig heilige Leute her-vorbrachte. Gott , welcher wohl weis, daß diestärksten Tugenden unter den Leiden aufwachsen,hat seine Kirche durch das Märtyrerthum gegründet,und sie dreyhundert Jahre lang in diestm Zustande er-halten, ohne daß sie einen Augenblick Zeit gehabt hat,auszuruhen. Nachdem er durch eine so lange Erfah-rung gezeigt harte, daß er keiner menschlichen Hülfe,

und

* Man muß sich inachtnehmen, daß man sich das ein?siedlerifche Leben der ersten Christen, und zumal, derjeni-gen, welche dasselbe in den friedlichen Zeiten der Kircheerwählt haben, nicht allzuvorrheilhast vorstelle, und aufdie Einbildung gerathe, daß man in der menschlichen Ge-sellschaft keine so erhabnen Tugenden ausüben könne.Die ersten Einsiedler wurden von den Verfolgungen ge-nöthigt, in die Wüsten zu entfliehen. Man'wird nichtleugnen können, daß diejenigen, die sie in den nachfol-

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