zz8 Bischof Boffuets Einleitung
und keiner Gewalt der Erde nöthig hätte, seine Kirchezu gründen, so berief er endlich die Kaiser, und mach-te den großen Constantin zu einem öffentlichen Be-schützer des Christenthumes. Seit der Zeit habensich die Könige von allen Orten her zur Kirche bege-ben, und alles, was die alten Prophezeiungen von ih-rer zukünftigen Herrlichkeit enthalten, ist vor den Au-gen der ganzen Erde erfüllt worden.
So unüberwindlich die Kirche bey den äußerlichenAnfallen blieb, so wenig konnte sie von den innerlichenSpaltungen erschüttert werden. Es sollten Ketzerey-cn kommen; Jesus Christus , und seine Jünger hat-ten sie vorherverküudiget, und sie kamen. Der Glau-be, welcher von den Kaisern verfolgt wurde, stund zugleicher Zeit von den Ketzern eine viel gefährlichereVerfolgung aus. Allein nicmgls war diese Verfol-gung heftiger, als zu der Zeit, da die Verfolgungender Heiden aufhörten. Die Hölle wandte dazumalalle ihre Kräfte an, die Kirche durch sich selbst zu ver-tilgen, welche die Anfälle ihrer offenbaren Feinde nurbekräftigt harten. Kaum sing sie an, sich durch die öf-fentliche Sicherheit zu erholen, die ihr Constantin ver-stattere, so erweckte ihr AriuS, dieser unglückseligePriester, größre Unruhen, als sie iemals hatte aus-stehen müssen. Constanz, ein Sohn des Kaiftr Con°
siantins,
gen den Zeiten nachahmten, solches sehr oft, entweder ausUeberdr'uß, oder aus einer eiteln Begierde nach einer be-sondern Heiligkeit thaten. Man ist noch nicht allemalder erhabenste Christ, wenn man sich stets mir göttlichenGedanken beschäftigt, und seinem Körper wehe thut. Dasist sehr oft eine Wollust, die sich ein heiliges Ansehn giebt.Der erhabenste Christ ist derjenige, der Gott über alles liebt,und diese Liebe durch liebreiche und großmüthige Handlun-gen gegen seinen Nachsien beweist. Der Ueberftyev.