544 Bischof Bossuets Einleitung
ren, die den Jesus verworfen hatten, der ihnen Gnade,Barmherzigkeit und Leben verkündigte, einen andernJesus sendete, der ihnen nichts, als unvermeidlicheschreckliche Unglücksfalle, und das unwidertreiblicheUrtheil ihres herbeynahenden Unterganges verkündi-gen mußte.
Wir wollen nach der Anleitung der Schrift weiterin die Gerichte Gottes eindringen. Jerusalem undder Tempel sind zweymal zerstört worden; einmal vomNebucadnezar, und das andremal vom TituS. Al-lein beydemal hat sich die Gerechtigkeit Gottes durcheinerley Mittel gezeigt, ob gleich das letztemal deut-licher, als das erstemal.
Damit wir diese Ordnung der Rathschlüsse Gottesdesto besser verstehen mögen, so wollen wir vor allenDingen die Wahrheit festsetzen, die in den heiligenBüchern so oft festgesetzt wird, daß es eine der schreck-lichsten Wirkungen der göttlichen Rache ist, wenn sieuns, zur Bestrafung unsrer vorhergehenden Sündenin uissern verkehrten Sinn dahin giebt, so daß wir beyallen ihren heilsamen Erinnerungen taub; bey den We-gen des Heiles, die sie uns gezeigt hat, blind; und be-reitwillig sind, alles, was uns schmeichelt, zu glau-ben; und die Kühnheit haben, alles zu unternehmen,ohne unsre Kräfte mit der Gewalt unfrer Feinde zu ver-gleichen , die wir reizen.
Auf diese Weise stürzten sich Jerusalem und seine' Könige unter dem Nebucadnezar, des Königes zu Ba-bel, in ihren Untergang. Sie waren allzu schwach,ihm zu widerstehen, und von diesem siegreichen Königeimmer geschlagen worden. Sie hatten erfahren, daßsie sich nur vergebens wider ihn auflehnten, und erhatte sie zu einem Eide der Treue gegen ihn gezwun-gen.