Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
346
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546 Bischof Boffuets Einleitung

Obgleich ihr Aufruhr die römischen Waffen widersie gereizt hatte, und sie ein Joch frevelhafter Weifeabwerfen wollten, in welches sich der ganze Erdkreis ge-beugt hatte: so wollte sie Titus doch nicht verder-ben. Er ließ ihnen vielmehr, nicht allein im Anfan-ge des Krieges, sondern auch noch zu der Zeit Gna-de anbieten, wo sie seinen Handen nicht mehr entgehenkonnten. Er hatte schon um Jerusalem eine hohe undlange Mauer aufgeführt, die mit Thürmen versehenwar, und stärkre Schanzen, als die Stadt selbst hat-te, da er den Jssephus, ihren Mitbürger, einen vonihren Feldherren, und Priestern zu ihnen sende-te. Josephus war in diesem Kriege gefangen ge-nommen worden, da er sein Vaterland vertheidigt hat-te. Was sagte er nicht, um sie zu bewegen? Wieviel starke Gründe brauchte er nicht, sie wieder zumGehorsame zu bringen? Er zeigte ihnen, daß sichErde und Himmel wider sie verschworen hätte, daßihr Untergang unvermeidlich wäre, wenn sie isich wi-dersetzten, und zugleich zeigte er ihnen ihre Rettungund Wohlfahrt in der Gnade des TituS. Errettet,sagte er zu ihnen, errettet, die heilige Stadt, er-rettet euch selbst, errettet den Tempel, dieses Wunderdes Erdkreises, den die Römer ehren, und den Titusmit Verdruß und Widerwillen untergehen sieht. Al-lein wie konnten ieute erhalten werden , die mit einersolchen Halsstarrigkeit ihr Verderben suchten? Ihrefalschen Propheten verführten sie, und sie hörten also der-gleichen weise Ermahnungen nicht an. Sie waren aufdas Aeußcrste gebracht; der Hunger brachte mehrMcn-schen um/als der Krieg, und die Mütter aßen ihre Kin-der. Titus, der von ihrem Unglücke gerührt war, nahmdie Götter zu Zeugen, daß er an ihrem Untergangs

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