Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
376
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Z76 Bischof Bossuets Einleitung

Die Umstände der damaligen Zeit waren ihm gün-stig. Allein indem er dasjenige, was Jacob vomMeßias gesagt hatte, auf den Vespasian deutete, so zo,gen solches di« Eisrer, welche Jerusalem vertheidig-ten, auf sich selbst. Auf diesen einzigen Grund bau-ten sie die Hoffnung, nach welcher sie sich die Herrschastüber die ganze Welt versprachen, wie Josephuö er-zählt ^, Sie wareil darinnen noch vernünftiger als er;zum wenigsten suchten sie die Erfüllung der Verheis-sungen, die ^hren Vätern geschehen waren, nicht aus-ser ihrer Ration.

Wie kam es doch, daß sie die Augen nicht öffneten,und die Früchte, welche die Verkündigung des Evan-gelii auf der Erde trug, und das neue Reich nichr sa-hen, welches Jesus Christus in der. Welt aufrichtete?Was konnte schöners seyn, als ein Reich, wo die Fröm-migkeit herrschte, wo der wahre Gott über die Abgöt-terey triumphirte, und wo das ewige Leben den ungläubi-gen Nationen verkündigt wurde? War nicht dasReich der Kaiser nur ein eitles stolzes Blendwerk inVergleichung mit diesem Reiche? .Doch es war inden Augen der Welt nicht glänzend genug.

Wie groß muß nicht die Kenntniß von der Eitel-keit der menschlichen Grösse und Hoheit seyn, wennman Jesum Christum erkennen will! Die Juden wuß-ten die Zeit seiner Ankunft; sie sahen, daß die Völ-ker nach der Weißagung Jacobs durch Jesum Chri-stum und seine Jünger zu dem Gotte Abrahams be-rufen wurden; und dennoch verkannten sie diesen Je-sum, der ihnen durch so viele Zeichen bekannt geinachtworden war. Und ob er gleich vor seinem Tode, undnach seiner Auferstehung seine Gesandtschaft durch so

viele

* Ibiä. Ilbr. VII.