z82 Bischof Bossuets Einleitung
men unter den Juden groß ist, der aber nicht der Pro-phet ist, hatte solches vor der Geburt unsers Heilan-des gelehrt, und der Talmud hat uns diese Traditionaufbehalten. Sie haben gesehen, N^ionseigneur,daß dieser Zeitpunkt bey der Ankunft unsers Heilan-des zu Ende gegangen, weil er in der That zween tau-send Jahre nach Abraham, gegen das viertausendeJahr der Welt erschienen ist. Unterdessen haben ihndie Juden nicht erkannt; weil ihnen ihre Hoffnungfehlgeschlagen ist, so sagen sie, daß ihre Sünden die An-kunft des Meßias verzögert hätten. Gleichwohl abersind unsre Data nach ihrein eignen Geständnisse rich-tig,und die Blindheit ist allzugroß,wcnn sie sagen,daß dieMenschen an der Verzögerung der Zeit schuld ßnd, dieGott so genau im Propheten Daniel bezeichnet hat*.
Das stürzt sie in eine noch größre Verwirrung,daß dieser Prophet die Zeit Christi bis auf die Zeitvor der Zerstörung Jerusalems gehen laßt, so daß,wenn diese letzte Zeit verflossen ist, die vorhergehendeauch verflossen seyn muß.
Iosephus ist hier in einen groben Irrthum ver-fallen. Er hat die Wochen richtig gezählt,nach welchender Untergang des jüdischen Volkes erfolgen sollte,und als er gesehen, daß sie zu der Zeit zu Ende gegan-gen, als Titus die Stadt belagerte, so glaubte ergewiß, daß die Zeit der Zerstörung Jerusalems gekom-men wäre. Allein er überlegte nicht, daß vor dieserZerstörung die Ankunft und der Tod Jesu Christi vorhergehen sollte. Er verstund also diese Prophe-zeyung nur halb.
Die
* Lem. 1>z!r. Lan. c. XI.