Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
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Seite
383
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m die allgemeine Geschichte. 585

Die Juden, die nach ihm gekommen sind, habendiesem Mangel abhelfen wollen. Sie haben einenAgrippa, einen Abkömmling des Herodes, ersonnen,den die Römer, wie sie sagen, kurz vor der Zerstörungder Stadt Jerusalem umgebracht haben. Sie gebenvor, daß dieser Agrippa, der als ein König, ein Christ,oder Gesalbter sey, der Christus wäre, von dem imPropheten Daniel geredet wird. Ein neuer Beweisvon ihrer Blindheit! Denn außerdem daß dieser A-grippa weder der Gerechte, noch der Allerheiligste, nochdas Ende aller Weißagungen seyn kann, wie es dervom Daniel an diesem Orte bezeichnete Christ seynsollte; ausserdem daß auch dieser Tod das Agrippa ,woran die Juden unschuldig waren, nicht die Ursacheihres Unterganges seyn kann, wie Daniel an dem an-geführten Orte solches sagt: so ist das alles, was dieIüden hier sagen, ein Märchen. Dieser Agrippa,der vom HerodeS abstammt, ist stets auf der Seite derRömer gewesen; die Kaiser haben ihm bestandig wohlbegegnet, und er herrschte lange Zeit nach der Ein-nahme Jerusalems noch in einem Theile des jüdi-schen Landes, wie solches Iosephus und seine andernZeitgenossen bezeugen *.

Was also die Iüden nur erdichten, den Prophe-zeiungen einen andern Verstand zu geben, das machtsie nur mehr zu Schanden. Sie selbst messen so gro-ben Erfindungen keinen Glauben bey, und ihre besteVertheidigung ist das Gesetz, das sie angenommen ha-ben , die Tage des MeßiaS nicht zu zahlen. Dadurchverschließen sie ihre Augen freywillig vor der Wahr-heit,

* Jolepli. lidr. VIl. äe Kell. juä> ^uttui l'lksriu? Li'i-IiorK. kliorli coä, ?z.