386 Bischof Bossuets Einleitung
de, und durch dessen N)unden wir geheilt wor-den sind. Oeffnet die Augen, ihr Ungläubigen, istnicht die Vergebung der Sünden im Naiven des ge-kreuzigten Jesus der Welt verkündigt worden? Hat-te man sich iemals ein solches Geheimniß vermuthet?Hat sich ein andrer, als Jesus Christus , vor ihm, odernach ihm, gerühmt, daß er die Sünden durchseinBlut abgewaschen habe? Sollte er sich deswegen ha-ben kreuzigen lassen, um eine eitle Ehre zu erlangen,wenn er cm sich selbst eine so traurige Weißagung er-füllte ? Man muß schweigen, und im Evangelio eineLehre verehren, die keinem Menschen nicht einmal in denSinn kommen kann, wenn sie nicht wahr wäre.
Die Jüden sind bey dieser Stelle in einer außer-ordentlichen Verwirrung; sie finden in ihren Schrif-ten allzuviel? Stellen, wo von der Erniedrigung desMeßias geredet wird^. Was soll also aus denenStellen werden, wo von seiner Herrlichkeit und vonseinen Siegen geredet wird? Die natürliche Erklä-rung ist diese, daß er durch den Kampf zum Siege,und durch sein Leiden zur Herrlichkeit gelangen werde.Wer sollte es glauben? Die Jüden haben lieber zweenMeßias annehmen wollen. Wir finden in ihrem Tal-mude und in andern eben so alten Schriften, daß sie ei-nen leidenden Meßias, und einen Meßias mit Ehreund Herrlichkeit gekrönt erwarten; einen, welcher ster-ben und auferwecket werden wird, und einen andern,der stets glücklich und siegreich seyn soll; einen, aufdensich alle Stellen schicken, in welchen von seiner Er-niedrigung geredet wird, und einen, auf den sie dieje-nigen deuten können, die von seiner Größe handeln;
endlich
' 1r. Luccs Lc cnmm, iiv. ?araxnr. 5ux. Lanr.6.7. V.z.