Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
394
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594 Bischof Bossuets Einleitung

ken, und es kann denen, die nicht von Gott erleuch-tet sind, nach dem Aussprnche Pauli nichts thörichterseyn, als dieses Geheimniß.

So war das Gegenmittel beschaffen, das Gott wi-der die Abgötterey brauchen wollte. Er kannte denGeist des Menschen; er wußte, daß ein Irrthum, derdurch die Vernunft nicht eingeführt worden war, auchdurch die Vernunft nicht geheilt werden konnte. Esgiebt Irrthümer, in welche wir verfallen, indem wirdie Vernunft gebrauchen; man verwirrt sich zuweilen,indem man die Kräfte der Vcnmnft allzuheftig an-strengt: Allein die Abgötterey war durch eine ganz ent-gegengesetzte Ausschweifung eingerissen, indem derMensch alleVernunft unterdrückt hatte, und sich von denSinnen beherrschen ließ, die allen Dingen die göttlichenEigenschaften geben wollten, von denen er gerührt wur-de. Dadurch war ihnen die Gottheit sichtbar und sinn-lich geworden. Die Menschen hatten ihr ihre Gestalt,und, was noch schändlicher war, ihre iastcr und Lei-denschafren gegeben. Die Vernunft war an einem soviehischen Irrthume nicht schuld. Das war ein Um-sturz des gesunden natürlichen Verstandes, ein Unsinn,eine Raserey. Redet einmal mit einem Unsinnigen,und mit einem Menschen, den ein hitziges Fieber zuAusschweifungen des Verstandes bringt; redet mit ei-nem solchen Menschen vernünftig; ihr werdet das Ue-bel nur mehr reizen und unheilbar machen. Manmuß bis auf den Grund des Uebels dringen, das Tem-perament wieder einrichten, und die Säfte beruhi-gen, deren Heftigkeit und Gewalt solche Ausschwei-fungen veranlaßt. Die Vernunft kann also widerdie Raserey der Abgötterey nichts helfen. Was ha-ben die Philosophen mit ihren prächtigen Reden, mit

ihrer