Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
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Seite
396
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Z96 Bischof Bsssuets Eiüleitiulg

menschlichen Vernunft seyn könnte. Ailstatt ihr dieHeilung dieser Krankheit en überlassen, so hat vielmehrGott dieselbe durch das Geheimniß des Kreuzes völ-lig zu Schanden gemacht, und sein Gegenmittel istbis auf den Grund des Uebels durchgerungen.

Wenn wir alles tief genug einsehen, so werden wirwahrnehmen, daß d»'e Abgötterey aus unsi-er allzugros-sen Liebe zu uns selbst hergekommen ist. Deswegenhaben wir Götter erfunden, die uns gleichen; Götter,die in dcrThatnichtS, als Menschen mit unsern Leiden-schaften, mit unsern Schwachheiten, und mit unsernLastern waren, so daß die Heiden unter dem Namender falschen Gottheiten in der That ihre eignen Gedan-ken, ihre Ergehlichkeitcn, und ihre ausschweifendenEinfälle anbeteten.

Jesus Christus bringt uns auf andre Wege. Sei-ne Armuth, seine Verspottungen, die er ausstund,und sein Kreuz machten ihn zu einem schrecklichen Ge-genstande unsrer Sinne. Man muß aus sich selbstausgehe'.,, man muß allem entsagen, man muß sichselbst kreuzigen, wenn man ihm nachfolgen will.Wenn der Mensch sich selbst, und dem allem, waö ihnsein verderbter Geist lieb macbt, entrissen ist, so wird erfähig, Gott, und seine ewige Wahrheit anzubeten,deren Gesehen er künftig folgen will.

Hier werden alle Götzen zerstört und umgestürzt, so-wohl diejenigen, welche man auf den Altären anbete-te, als diejenigen, denen ein jeder in seinem Herrendiente. Diese hatten jene zu dem Range der Göttererhoben» Man betete die Venus an, weil man sich dieLiebe beherrschen ließ, und ihre Gewaltthätigkeitenliebte. Bacchus, der Lustigste unter allen Göttern,hatte Altare, weil man sich der Freude der Sinne,

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