Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
398
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Z98 Bischof Bossuets Einleitung

dem Menschen nichts angenommen, als was er selbstgeschaffen hat; es ist aber unstreitig, daß er an demMenschen weder die Sünde noch die Laster erschaffenhatte. Er hatte seine Natur erschaffen; seine Natur hater auch nur angenommen. Man kann in einem gewissenVerstände sagen, daß die Sterblichkeit des Menschen,> und die Schwachheit, die sie beglei^et,sein Werk ist; denn, ob sie gleich nicht in den ersten Entwurf Gottes gehörte,so war sie doch eine gerechte Strafe der Sünde und wegendieser Eigenschaft ein würdiges Werk der göttlichen Ge-rechtigkeit. Gott hat sie also gewürdigt, sie anzunehmen,und da er die Strafe der Sünde, ohne die Sünde selbstangenommen, so hat er dadurch gewiesen, daß er nichtein Schuldiger, den man bestraft^ sondern der Ge-rechte wäre, der die Sünden der andern versöhnte.

Die Menschen legten ihren Göttern alle -Laster bey;in diesem Gottmenschen aber erschienen alle Tugenden,und damit sie in den größten Versuchungen, und al-so in ihrem größten Glänze erscheinen möchten, so zeig-ten sie sich mitten unter den schrecklichsten Martern.Wir wollen also keinen andern sichtbaren Gott mehrsuchen als diesen; er ist aklein würdig, alle Götzenbil-der umzustürzen; den Sieg, den er davon tragen soll-te, gewann er durch sein Kreuz.

Dieser Sieg ist also mit einer scheinbaren Thorheitverbunden. Denn die Iüden, fährt der heilige Apo-»Cor.1,-2. stel fort, verlangen Zeichen. Gott sollte die Na-2j> u> f. hewxgM^ wie er bey ihrem Ausgange in Aegyptcngethan hatte, und sie auf eine sichtbare Weise über ih-re Feinde erheben. Allein die Griechen fragen nachlVeisheir, und nach Reden voll Kunst, wie die Re-den des Plato und des Sokrates waren. N>lr aber,fährt der Apostel fort/ wir predigen den getreu.