Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
407
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in die allgemeine Geschichte. 407

Religion annehmen, die er in seinem Lande eingeführtfindet. Diese Grundsätze, diese so groben, als gott-losen Irrthümer, welche die ganze Erde erfüllten,machten dieses Uebel unheilbar, und die Stimme derNatur, welche den wahren Gott verkündigte, wurdeüberschrien und betäubt.

Man konnte denken, daß die Schwachheit unsrerverirrten Vernunft eines Ansehen nöthig hatte/ sie wie-der zu ihrem Ursprünge zurückzuführen, und daß manvon dem Alterthume lernen müßte, welches die wahreReligion wäre. Sie haben, Ulonseigneur, die un-veränderte Folge derselben vom Anfange der Welt angesehen. Allein mit welchem Alterthume konnte sichdas Heidenthum erheben, das in seinen Geschichtennicht lesen konnte, ohne den Ursprung nicht allein ihrerReligion, sondern auch ihrer Götter zu finden ? Var-ro und Cicero haben solches zur Gnüge gewiesen^;ich will der andern nicht gedenken. Oder sollen wirvielleicht zu den unendlich viel tausend Jahren unsreZuflucht nehmen, welche die Aegypter mit verwirr-ten und unverschämten Fabeln erfüllten, um das Al-terthum zu finden, dessen sich die heidnische Religionrühmte? Allein man sah ja in Aegypten die Göttertäglich gebohren werden und sterben, und dieses Volkkonnte sich nicht alt machen, ohne zugleich den An»fang seiner Götter zu zeigen.

Wir wollen noch eine andre Gestalt der Abgöttereybetrachten. Man verlangte, daß alles angebetet wer-den sollte, was göttlich wäre. Die römische Politik,welche fremde Religionen auf eine so strenge Weiseverbot, erlaube die Götter der Barbaren anzubeten,

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* Os n»r. Oeor. Ubr. I. Lc.III.