wofern sie nur von den Römern unter die Götter auf-genommen worden waren. Sie wollte also das Anse-hen haben, als ob sie mit allen Göttern so billig, wiemit allen Menschen umgienge. Sie räucherte zu-weilen dem Gotte der Jüden mit allen andern Göt-tern. Wir haben einen Brief vom Julian, dem Ab-trünnigen, worinnen er den Jüden verspricht/ die hei-lige Stadr wieder anzubauen, und mit ihnen ihremGotte, dem Schöpser des Himmels und der Erde, zuopfern*. Das war ein gemeiner Irrthum. Wirhaben gesehen, daß die Heiden wohl den wahren Gott,aber nicht den wahren Gott allein anbeten wollten,und es lag an den Kaisern nicht, daß nicht Jesu Chri-sto selbst, dessen Schüler sie verfolgten, Altäre unterden Römern aufgerichtet wurden.
Also haben die Römer auf die Gedanken fallen kön-nen, denjenigen als einen Gott zu ehren, den ihre Ob-rigkeit zu einem schmählichen Tode verdammt, undvie-le von ihren Schriftstellern mit Lästerungen entehrthaben? Man darf nicht darüber erstaunen; die Sa-che ist außer allem Streite.
Wir wollen zuerst nur dasjenige, was aus einemblinden Hasse überhaupt gesagt werden kann, von ge-wissen unleugbaren Begebenheiten unterscheiden, wo-von man die Beweise führt. Es ist gewiß, daß dieRömer unserm Heilande kein besondres Verbrechenschuld gegeben haben, ob er gleich von ihnen zum To-de verdammt worden ist. Pilatuö verdammte ihnauch ungern, weil er von den Drohungen der Jüdenmit Gewalt dazu genöthiget wurde. Allein das istnoch wunderbarer selbst, daß die Jüden, die ihn so lan-ge
* ^ul. eM Comm. l'o6-tvr.