Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
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420
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420 Bischof Bossuets Einleitung

ließen sich durch Schauspiele und Lustbarkeiten gewin-nen; andre waren melancholischer und verdrießlicher,und hätten ihr Vergnügen an dem Gerüche von ange-branntem Fette, und weideten sich an blutigen Opfern.Was nützt es, so ungereimte Dinge zu widerlegen?So viel halfen sie, daß die Christen den Sieg davontrugen. Es war ausgemacht, daß alle Götter, de-nen man unter den Heiden opferte, böse Geister waren,deren Hochmuth sich die Gottheit anmaßte; so daß al-so die Abgötterey an sich selbst betrachtet nur alleindie Wirkung einer viehischen Unwissenheit zu seynschien; allein wenn man auf die Quelle zurückgieng,so war das ein von weitem eingefädeltes Werk, welchesvon boshaften Geistern bis auf das Aeußerste getriebenwurde. Das hatten die Christeil beständig behau-ptet; das lehrte das Evangelium; daö sang der Psal-miste: Jener Göyen sind Gold und Sil--M"5> z-4-der, von Menschenhanden gemacht; aber un-ser Gott ist im Himmel; er kann scl)gffen, was erwill.

Wie groß ist unterdessen nicht, Monseigneur, dieerstaunliche Blindheit des menschlichen Geschlechtes!Die Abgötterey ist bis auf das Aeußerste gebracht; sieist völlig zu Schanden geworden, und erhalt sich dochnoch immer. Man mußte sie nur mit einem blendendenScheine verhüllen, und in Worten vortragen, die demOhre schmeichelten, wenn sie einen Eingang in die Ge-müther finden sollte. Porphyrius wurde bewundert.Imnblichius, sein Nachfolger und Anhänger, wurdefür einen göttlichen Mann gehalten, weil er die Mey-nungen seines Lehrers in Worte einzuwickeln wußte,welchegcheimnisvoll zu seyn schienen, ob sie gleich nichtsbedeuteten. So scharfsinnig auch Julian, der Ab-, trün-